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Bäcker und Konditoren in Deutschland dürfen sonntags nicht backen. Diese Regel gilt seit Jahrzehnten. Doch das Handwerk fordert jetzt ein rasches Ende dieser Vorschrift. Handwerkspräsident Jörg Dittrich macht öffentlich Druck auf die Bundesregierung.
Koalitionsvertrag enthält klare Zusage
Die Abschaffung des Sonntagsbackverbots steht im aktuellen Koalitionsvertrag. Konkret betrifft die Regelung Bäcker und Konditoren. Umgesetzt wurde sie bisher nicht.
Dittrich forderte die Bundesregierung daher öffentlich zur Umsetzung auf. Seine Botschaft war knapp: Die Koalition hat es versprochen, also soll sie es auch liefern. Sechs Monate nach Regierungsantritt wartet das Handwerk noch immer auf konkrete Ergebnisse.
Ungleiche Wettbewerbsbedingungen
Das Sonntagsbackverbot ist Teil des deutschen Arbeitszeitgesetzes. Es untersagt Bäckereibetrieben grundsätzlich die Produktion an Sonntagen. Tankstellen und bestimmte Lebensmittelläden dürfen jedoch sonntags Backwaren verkaufen.
Hier sieht das Handwerk eine klare Benachteiligung. Traditionelle Bäckereien konkurrieren mit Anbietern, die keine vergleichbaren Einschränkungen kennen. Frische Backwaren am Sonntag sind für viele Betriebe ein wirtschaftlich relevantes Thema.
Die Stimmung im Handwerk ist angespannt. Umsätze stagnieren, Betriebe blicken vorsichtig auf das Jahr 2026. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks spricht von einer Enttäuschung, die in den Betrieben deutlich spürbar sei.
Strukturelle Probleme im Bäckerhandwerk
Das Sonntagsbackverbot steht stellvertretend für eine breitere Debatte über Regulierung im Handwerk. Viele Betriebe kämpfen mit Fachkräftemangel, hohen Energiekosten und sinkender Nachfrage.
Die Zahl der Bäckereibetriebe in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Auch in Baden-Württemberg hat sich die Betriebslandschaft verändert. Kleinere Familienbetriebe geraten besonders unter Druck. Jede Wettbewerbsverzerrung trifft sie härter als größere Ketten.
Das Arbeitszeitgesetz regelt nicht nur das Backen selbst, sondern auch die Frage, wann Mitarbeiter eingesetzt werden dürfen. Gewerkschaften haben in der Vergangenheit Bedenken geäußert. Sie befürchten, dass eine Lockerung den Sonntagsschutz für Arbeitnehmer insgesamt schwächt.
Berlin zögert, Handwerk verliert Geduld
Die Reformträgheit in Berlin kostet Vertrauen. Das Handwerk hatte die neue Regierung mit Erwartungen begleitet. Nach sechs Monaten überwiegt die Skepsis. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks formulierte es deutlich: Der versprochene Aufschwung lässt auf sich warten.
Die Abschaffung des Sonntagsbackverbots wäre ein vergleichsweise kleiner Schritt. Der Gesetzgeber müsste eine eng begrenzte Ausnahmeregelung im Arbeitszeitgesetz anpassen. Der politische Wille ist dem Koalitionsvertrag nach vorhanden. Die praktische Umsetzung fehlt bislang.
Auch die Bonpflicht steht auf der Liste der versprochenen Entlastungen, ebenfalls im Koalitionsvertrag festgehalten. Auch hier wartet das Handwerk auf Ergebnisse.
Fazit
Das Sonntagsbackverbot ist mehr als eine arbeitsrechtliche Fußnote. Es zeigt, wie langsam politische Versprechen im Alltag der Betriebe ankommen. Für Bäckereien in Baden-Württemberg und ganz Deutschland ist jede Woche ohne Reform eine Woche im Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Die Bundesregierung hat das Ziel selbst definiert. Umgesetzt hat sie es noch nicht.
