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Das regionale Stromnetz in der Ortenau hält mit der Nachfrage nicht Schritt. Unternehmen, die neue oder leistungsstarke Stromanschlüsse benötigen, erhalten vom Netzbetreiber derzeit häufig eine Absage. Das trifft Betriebe in Lahr ebenso wie in Gengenbach oder Ortenberg.
Lkw-Ladesäulen in Lahr müssen warten
Ein Tankhof in Lahr plant den Aufbau von Ladesäulen für Lkw. Die Nachfrage nach Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge wächst. Doch das lokale Stromnetz kann die benötigte Leistung nicht bereitstellen. Das Projekt liegt vorerst auf Eis.
Dieser Fall steht nicht allein. In der gesamten Ortenau stoßen Betriebe mit hohem Strombedarf auf dieselbe Hürde. Neue Anschlüsse für Großverbraucher sind oft nicht genehmigungsfähig. Das Netz ist zu schwach.
Netzausbau hinkt hinter dem Bedarf her
Der regionale Netzbetreiber E-Werk Mittelbaden ist sich des Problems bewusst und sucht nach Lösungen, um die Engpässe kurzfristig zu entschärfen. Netzausbau braucht jedoch Zeit. Genehmigungsverfahren, Planungsläufe und bauliche Umsetzung dauern in der Regel mehrere Jahre.
Das Stromnetz in der Ortenau war historisch auf andere Lasten ausgelegt. Industriebetriebe, Handwerk und Haushalte stellten über Jahrzehnte die Hauptlast. Heute kommen neue Verbraucher hinzu: Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Rechenzentren und industrielle Ladeinfrastruktur. Diese Kombination überfordert bestehende Leitungskapazitäten.
Überlandkabel bei Meißenheim
Überlandkabel im Ried bei Meißenheim stehen sinnbildlich für ein Netz, das an seine Leistungsgrenzen kommt. Die Infrastruktur ist sichtbar präsent, ihre Kapazitäten sind begrenzt. Ohne Investitionen in Leitungen, Trafostationen und Netzsteuerung wird sich die Lage kaum verbessern.
Wirtschaftliche Folgen für Unternehmen und Kommunen
Für Unternehmen bedeutet ein Netzengpass einen direkten wirtschaftlichen Schaden. Wer nicht angeschlossen werden kann, kann nicht investieren und verliert an Wettbewerbsfähigkeit. In einer Region wie der Ortenau, die von mittelständischer Industrie und Gewerbe geprägt ist, wiegt das schwer.
Betroffen sind auch bestehende Betriebe, die ihre Produktion erweitern oder auf elektrische Prozesse umstellen wollen. Die Elektrifizierung von Produktionsprozessen ist politisch gewollt. Das Netz erlaubt sie in der Ortenau derzeit oft nicht.
Für Kommunen wie Lahr, Gengenbach oder Ortenberg hat das Konsequenzen. Ansiedlungspolitik und Standortentwicklung setzen eine verlässliche Energieversorgung voraus. Fehlt diese, verlieren Gewerbegebiete an Attraktivität.
Regionale Betreiber unter Druck
Das E-Werk Mittelbaden steht unter erheblichem Druck. Einerseits muss der Netzbetreiber die Versorgungssicherheit für bestehende Kunden gewährleisten, andererseits sind neue Anschlüsse rechtlich grundsätzlich zu ermöglichen. Beides gleichzeitig zu leisten, ist mit einem überlasteten Netz kaum machbar.
Schnelle technische Lösungen wie intelligente Lastregelung oder temporäre Kapazitätserweiterungen können kurzfristig Entlastung schaffen, ersetzen aber keinen grundlegenden Netzausbau.
Infrastruktur als Standortfaktor
Das Stromnetz ist ein zentraler Standortfaktor, der lange als selbstverständlich galt. Diese Selbstverständlichkeit ist vorbei. Wer künftig Unternehmen ansiedeln, Ladesäulen bauen oder Produktionsprozesse elektrifizieren will, braucht ein leistungsfähiges Netz. Der Ausbau muss schneller voranschreiten als bisher. Solange das nicht gelingt, zahlen Betriebe in der Region den Preis.
