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Baden-Württemberg hat ein Nachwuchsproblem. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Land sinkt. Gleichzeitig fehlen Betrieben qualifizierte Fachkräfte in Pflege, Handwerk und Bau. Eine Gruppe rückt dabei stärker in den Blick: junge Zugewanderte aus der Ukraine, Syrien oder Afghanistan.
Rückgang bei Verträgen, Zuwachs bei ausländischen Azubis
Die duale Berufsausbildung in Baden-Württemberg steht unter Druck. Insgesamt sinkt die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge im Land. Handwerksbetriebe bilden zwar mehr junge Menschen aus als in den Vorjahren, die Gesamtentwicklung bleibt aber negativ.
In diesem Umfeld gewinnen ausländische Auszubildende an Gewicht. Sie kommen aus EU-Ländern, aber auch verstärkt aus Drittstaaten. Junge Menschen aus der Ukraine, aus Syrien oder Afghanistan schließen Ausbildungsverträge ab, vor allem in der Region Heilbronn-Franken.
Bundesweit haben ausländische Fachkräfte ihren Anteil in Engpassberufen deutlich erhöht. In 157 Berufsgattungen fehlen qualifizierte Kräfte. Die Besetzungszeiten werden länger. Betriebe suchen deshalb aktiv im Ausland nach Nachwuchs.
Handwerk setzt auf internationale Bewerber
Handwerkskammern in Baden-Württemberg reagieren auf diese Lage. Sie werben gezielt um Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund. Die Handwerkskammer verweist dabei auf ein praktisches Problem: Nicht jedes Ausbildungsverhältnis hält. Claudia Orth, Leiterin des Geschäftsbereichs Berufsbildung bei der Handwerkskammer, weist auf Nachzügler und mögliche Lösungen von Verträgen hin.
Trotzdem bleibt die Tendenz klar. Betriebe, die früher ausschließlich auf deutsche Bewerber setzten, öffnen sich. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bei jungen Geflüchteten und Zugewanderten ist vorhanden.
Sprachkenntnisse als zentrale Hürde
Die Integration in die duale Ausbildung gelingt nicht ohne Aufwand. Sprachkenntnisse sind eine zentrale Herausforderung. Berufsschulen in Baden-Württemberg bieten begleitende Sprachförderung an. Das Statistische Landesamt dokumentiert die Entwicklung an beruflichen Schulen. Die Zahlen zeigen: Der Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen steigt.
Für Betriebe bedeutet das zusätzlichen Betreuungsaufwand. Viele nehmen diesen bewusst in Kauf. Der Fachkräftemangel lässt ihnen wenig Spielraum.
Strukturwandel am Ausbildungsmarkt
Der Beitrag von Beschäftigten aus Drittstaaten hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Gleichzeitig schwinden die Zuwanderungspotenziale aus klassischen EU-Herkunftsländern. Länder wie Polen oder Rumänien haben selbst mit demografischen Problemen zu kämpfen.
Das verschiebt den Fokus. Betriebe und Kammern setzen stärker auf Zugewanderte aus Nicht-EU-Staaten. Diese Entwicklung betrifft auch Baden-Württemberg. Das Industrieland ist auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen.
Region Heilbronn-Franken als Beispiel
Die Region Heilbronn-Franken zeigt, wie die Entwicklung konkret aussieht. Junge Menschen aus Krisengebieten starten dort Ausbildungen in Handwerk, Industrie und Pflege. Unternehmen berichten von positiven Erfahrungen. Die Begleitung durch Behörden und Kammern bleibt dabei wichtig.
Ohne strukturierte Unterstützung brechen Ausbildungsverhältnisse ab. Das kostet Betriebe Zeit und Geld. Gelingt die Integration, entsteht langfristig eine qualifizierte Fachkraft, die dem Betrieb und der Region nutzt.
Fazit: Ohne Zuwanderung kein Nachwuchs
Baden-Württemberg kann seinen Ausbildungsmarkt nicht allein aus dem Inland stabilisieren. Der demografische Wandel sorgt für weniger inländische Bewerber. Zugewanderte junge Menschen aus Drittstaaten füllen diese Lücke. Betriebe, Kammern und Berufsschulen müssen dafür die Rahmenbedingungen schaffen. Gelingt das, sichert die duale Ausbildung ihre Funktion als Fundament der Fachkräftebasis im Südwesten.
