Ziehl-Abegg aus Künzelsau gehört zu den Unternehmen, die wirtschaftliche Turbulenzen stabiler überstehen als der Branchendurchschnitt. Der Hersteller von Ventilatoren, Antriebsmotoren und Regeltechnik hat sich als Weltmarktführer in mehreren Nischen etabliert. Diese Stärke hat Gründe, die tief in der Unternehmensgeschichte verwurzelt sind.
Breites Produktportfolio als Stabilitätsanker
Ziehl-Abegg ist nicht von einem einzigen Markt abhängig. Das Unternehmen liefert Produkte für Wärme- und Kälteanlagen, Reinraumanlagen, Agrartechnik und den Aufzugsbau. Diese Streuung schützt vor Einbrüchen in einzelnen Sektoren. Schwächelt eine Sparte, können andere das abfedern.
Besonders die Antriebstechnik für Aufzüge entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum Wachstumstreiber. Schon während der Corona-Pandemie profitierte Ziehl-Abegg davon, dass der Aufzugsmarkt vergleichsweise stabil blieb. Dieses Muster wiederholt sich: Gerade in Krisenzeiten zahlt sich eine breite Aufstellung aus.
Frühe Internationalisierung als Fundament
Ziehl-Abegg begann bereits 1973 mit der Internationalisierung. Das war für einen schwäbischen Mittelständler damals ungewöhnlich früh. Heute ist das Unternehmen weltweit aktiv und beliefert Kunden auf allen Kontinenten.
In Märkten mit intensivem Wettbewerb setzt Ziehl-Abegg auf regionale Entwicklung. Produkte werden an lokale Anforderungen angepasst, technisch wie preislich. Diese Strategie sichert Marktanteile, die reine Exporteure oft nicht halten können.
Mehr als die Hälfte der Belegschaft arbeitet noch in Deutschland. Das ist für ein Unternehmen dieser Größe und globalen Reichweite bemerkenswert. Die Verwurzelung im Hohenlohekreis ist dabei kein Zufall, sondern Teil der Unternehmensidentität.
Innovation aus der Natur: Bionik als Wettbewerbsvorteil
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist der konsequente Einsatz bionischer Konzepte. Ziehl-Abegg lässt sich bei der Entwicklung von Ventilatoren und Rotoren von der Natur inspirieren. Formen aus der Tier- und Pflanzenwelt dienen als Vorlage für aerodynamisch optimierte Bauteile.
Das Ergebnis sind Produkte, die leiser, effizienter und langlebiger sind als herkömmliche Lösungen. In einer Zeit steigender Energiekosten und strengerer Umweltauflagen ist das ein klarer Vorteil im Markt.
Rekordumsatz 2022 als Beleg der Stärke
Im Geschäftsjahr 2022 erzielte Ziehl-Abegg einen Rekordumsatz. Das Plus lag bei rund 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Haupttreiber war die Antriebstechnik. Ziehl-Abegg hat damit die Milliarden-Umsatzmarke geknackt. Das unterstreicht die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
Fachkräftemangel bleibt die unterschätzte Gefahr
Trotz aller Stärken warnt Ziehl-Abegg vor einem Problem, das viele Unternehmen derzeit verdrängen: den Fachkräftemangel. Wegen der aktuellen Konjunkturschwäche haben viele Betriebe dieses Thema nicht mehr im Fokus. Das sei ein Fehler.
Spätestens in anderthalb Jahren werde fehlendes Fachpersonal wieder ganz oben auf der Agenda stehen. Wer jetzt nicht in Ausbildung und Mitarbeiterbindung investiert, riskiert künftig Engpässe bei der Produktion und Entwicklung.
Ziehl-Abegg selbst hält die Ausbildung hoch. Das Unternehmen bildet in verschiedenen technischen Berufen aus und investiert in die Weiterqualifizierung der Belegschaft. Das ist auch ein Erbe des langjährigen Unternehmensleiters Uwe Ziehl, der das Unternehmen über Jahrzehnte geprägt hat.
Lieferkettensorgfalt als neue Pflicht
Wie viele exportorientierte Mittelständler steht Ziehl-Abegg vor wachsenden Compliance-Anforderungen. Das Unternehmen hat hunderte Zulieferer zu überwachen. Die europäische Lieferketten-Richtlinie stellt neue Anforderungen an die Dokumentation und Kontrolle der Lieferkette.
Ziehl-Abegg hat entsprechende Strukturen aufgebaut, um diesen Verpflichtungen nachzukommen. Der Aufwand ist erheblich, gilt aber als notwendige Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Fazit
Ziehl-Abegg zeigt, wie Mittelstand in Baden-Württemberg funktioniert: Technologieführerschaft, frühe Internationalisierung und eine breite Produktpalette bilden das Fundament. Das Unternehmen aus Künzelsau ist kein Zufallsgewinner. Es ist das Ergebnis konsequenter strategischer Entscheidungen über Jahrzehnte. Wer den Fachkräftemangel jetzt nicht aus dem Blick verliert, wird auch die nächste Erholungsphase mit voller Kraft nutzen können.
