Viele Industrieunternehmen in Baden-Württemberg kämpfen mit stagnierenden Umsätzen. Ziehl-Abegg aus Künzelsau ist eine klare Ausnahme. Der Hersteller von Ventilatoren, Motoren und Antriebstechnik hat die Milliardenmarke beim Umsatz geknackt. Das Unternehmen wächst, während andere schrumpfen.
Wachstum trotz schwieriger Lage
Die deutsche Wirtschaft stagniert. Auftragsflaute, hohe Energiekosten und gedämpfte Nachfrage belasten den industriellen Mittelstand. Ziehl-Abegg aus dem Hohenlohekreis zeigt, dass es anders geht. Das Unternehmen verzeichnet deutliches Wachstum, vor allem im Auslandsgeschäft.
Entscheidend ist die konsequente Internationalisierungsstrategie. Unter Geschäftsführer Marc Wucherer, einem früheren Bosch-Manager, richtet sich Ziehl-Abegg neu aus. Das Unternehmen erschließt gezielt neue Märkte außerhalb Deutschlands. Der Heimatmarkt allein reicht nicht mehr als Wachstumstreiber.
Technologie als Wettbewerbsvorteil
Ziehl-Abegg setzt auf technologische Differenzierung. Das Unternehmen entwickelt energieeffiziente Ventilatoren und Antriebssysteme. Diese Produkte sind gefragt, weil Energieeffizienz weltweit an Bedeutung gewinnt.
Ein Beispiel ist der Bereich Aufzugsmotoren. Ziehl-Abegg forscht an Lösungen, die unabhängig von Seltenen Erden funktionieren. Das reduziert Abhängigkeiten in der Lieferkette. Es schafft gleichzeitig einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb.
Auch die Digitalisierung spielt eine Rolle. Ziehl-Abegg nutzt Cloud-Technologien, um Systeme effizienter zu steuern. Das erhöht den Mehrwert der Produkte für die Kunden.
Lieferketten und Compliance als Daueraufgabe
Der Erfolg hat auch seine administrativen Anforderungen. Ziehl-Abegg muss Hunderte von Zulieferern überwachen. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und europäische Regelwerke verlangen das. Das EU-Parlament hat die entsprechende Richtlinie zuletzt zwar entschärft. Der Aufwand bleibt dennoch erheblich.
Das Unternehmen hat Prozesse aufgebaut, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Compliance ist in Künzelsau kein Randthema, sondern Teil des operativen Alltags.
Fachkräftemangel: Das nächste Problem wartet
Der aktuelle Konjunktureinbruch hat eine unerwünschte Nebenwirkung. Viele Unternehmen verdrängen das Thema Fachkräftemangel. Wegen kurzfristiger Auftragssorgen rückt die Personalstrategie in den Hintergrund.
Ziehl-Abegg warnt vor diesem Kurzzeitdenken. Spätestens in anderthalb Jahren werde das Fehlen von gut ausgebildetem Personal wieder ganz oben auf der Agenda stehen. Wer jetzt nicht in Ausbildung und Qualifizierung investiert, verliert später an Boden.
Künzelsau hält daran fest, Nachwuchs zu fördern. Das Unternehmen bildet selbst aus und investiert in die Weiterqualifizierung der Belegschaft. Diese Haltung ist kein Altruismus, sondern Kalkulation.
Fazit: Ein Modell mit Substanz
Ziehl-Abegg zeigt, was funktioniert. Internationalisierung, technologische Spezialisierung und ein langer Atem in der Personalfrage. Das sind keine neuen Rezepte. Aber konsequent umgesetzt machen sie den Unterschied. Der Mittelstand in Baden-Württemberg hat in Künzelsau ein handfestes Referenzbeispiel.
