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Baden-Württemberg steckt in einer Wohnungskrise mit wirtschaftlichen Folgen. Das Pestel-Institut hat berechnet, dass im Südwesten insgesamt 337.000 Wohnungen fehlen, gerechnet für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gemeinsam. Allein auf Baden-Württemberg entfallen rund 201.000 fehlende Einheiten. Die Studie wurde vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel beauftragt.
Drittgrößtes Defizit im Bundesvergleich
Baden-Württemberg steht damit bundesweit schlecht da. Nur Nordrhein-Westfalen mit 364.000 und Bayern mit 220.000 fehlenden Wohnungen weisen größere Lücken auf. Deutschlandweit summiert sich das Defizit auf gut 1,35 Millionen Wohnungen. Der Bedarf übersteigt das Angebot an neuen Einheiten bei weitem. Eigentlich bräuchte Deutschland pro Jahr 300.000 neue Wohnungen. Diese Marke wird seit Jahren verfehlt.
Der Rückstand wächst. Wer eine bezahlbare Wohnung sucht, findet sie in Ballungsräumen wie Stuttgart, Freiburg oder Heidelberg kaum noch. Die Mieten steigen, die Wartezeiten auf dem Wohnungsmarkt verlängern sich.
Vom Wohnungsproblem zum Wirtschaftsproblem
Der Wohnungsmangel ist kein rein soziales Thema mehr. Er schadet der Wirtschaft direkt. Unternehmen berichten, dass Fachkräfte Stellenangebote ablehnen, weil sie keine geeignete Unterkunft finden. Besonders betroffen sind Betriebe in teuren Stadtlagen. Wer keinen Wohnraum findet, zieht nicht um. Wer nicht umzieht, nimmt den Job nicht an.
Das schwächt die Arbeitsmobilität im Land. Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg steht ohnehin unter Druck. Viele Unternehmen zögern derzeit mit Neueinstellungen. Die Zahl der Arbeitslosen liegt über dem Vorjahreswert. Rund 204.200 Menschen waren im Südwesten zuletzt ohne Arbeit gemeldet. Die Arbeitslosenquote betrug 3,2 Prozent.
Fachkräftemangel verschärft sich
Fehlende Wohnungen machen den Fachkräftemangel strukturell schlimmer. Betriebe, die qualifizierte Mitarbeiter aus anderen Regionen oder dem Ausland anwerben wollen, stoßen schnell an Grenzen. Ohne Unterkunft kein Arbeitsantritt. Das gilt für Pflegekräfte genauso wie für IT-Spezialisten oder Ingenieure.
Der Wohnungsmangel senkt die Wachstumskapazität der Unternehmen. Die wirtschaftliche Leistung des Landes bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Bauwirtschaft unter Druck
Paradoxerweise leidet auch die Bauwirtschaft selbst. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen neue Projekte. Viele Bauvorhaben wurden in den vergangenen Jahren zurückgestellt oder ganz aufgegeben. Investoren rechnen bei Neubauprojekten oft nicht mehr kostendeckend.
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel, der die Pestel-Studie in Auftrag gegeben hat, fordert politische Gegenmaßnahmen: schnellere Genehmigungen, steuerliche Anreize für den Wohnungsbau und eine Vereinfachung der Bauvorschriften.
Fazit
Die Zahlen des Pestel-Instituts zeigen: Der Wohnungsmangel im Südwesten kostet Baden-Württemberg Wirtschaftskraft, Fachkräfte und Wettbewerbsfähigkeit. Ohne eine deutliche Beschleunigung beim Wohnungsbau dürfte das Defizit weiter wachsen. Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel fordert die Politik auf, strukturelle Hindernisse für den Neubau zu beseitigen.
