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Baden-Württemberg baut Windkraft so schnell aus wie nie zuvor. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 zeigen einen neuen Höchststand. Der Jubel ist dennoch verhalten: Das Land braucht noch deutlich mehr Tempo, um bis 2040 klimaneutral zu werden. Garantiert ist dieses Tempo nicht.
Rekordausbau im ersten Halbjahr
Die Halbjahresbilanz 2026 fällt auf den ersten Blick positiv aus. Baden-Württemberg hat in den ersten sechs Monaten so viele neue Windräder ans Netz gebracht wie noch nie in einem vergleichbaren Zeitraum. Konkrete Zahlen zur neu installierten Leistung lagen zum Redaktionsschluss noch nicht vollständig vor. Der Trend ist dennoch klar erkennbar.
Das Klimaziel des Landes ist ambitioniert. Bis 2040 soll Baden-Württemberg klimaneutral sein. Dafür sind Hunderte neue Windkraftanlagen nötig. Der aktuelle Ausbau geht in die richtige Richtung, reicht aber noch nicht aus, um die Lücke zu schließen.
Planungssicherheit als zentraler Faktor
Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, mahnt zur Vorsicht. Der positive Trend bei der Windenergie halte nur, solange Planungssicherheit gegeben sei.
Gesetzesänderungen auf Bundes- und Landesebene können Genehmigungsverfahren verzögern oder erschweren. Investoren und Projektentwickler brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Fehlen diese, stocken Projekte. Manche werden gar nicht erst begonnen.
Die Sorge hat einen Hintergrund. In der Vergangenheit haben bürokratische Hürden den Windkraftausbau in Baden-Württemberg jahrelang ausgebremst. Das Bundesland gilt als schwieriges Terrain für Windkraft: hügeliges Gelände, dichte Besiedlung, Naturschutzauflagen. Der jüngste Aufschwung war das Ergebnis politischer Reformen. Neue Unsicherheiten könnten diesen Fortschritt zunichtemachen.
Solar bleibt solide, aber unspektakulär
Ein anderes Bild zeigt sich bei der Photovoltaik. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Baden-Württemberg 851 Megawatt-Peak an Solarleistung neu installiert. Das ist ein ordentlicher Wert, aber kein Ausreißer nach oben.
Im Vergleich zu früheren Jahren ist der Solarausbau nicht außergewöhnlich. Das Wachstum läuft stabil, ohne den Schub, den die Windkraft momentan verzeichnet. Für die Erreichung der Klimaziele braucht Baden-Württemberg beide Technologien in großem Maßstab.
Was den Ausbau gefährdet
Die zentrale Frage lautet: Wie stabil ist der aktuelle Windkraft-Boom? Mehrere Faktoren könnten den Ausbau verlangsamen.
Änderungen im Planungsrecht können bestehende Genehmigungsverfahren komplizierter machen. Projekte, die bereits weit fortgeschritten sind, können dadurch ins Stocken geraten.
Windkraftprojekte stoßen in manchen Gemeinden auf Widerstand. Klagen von Anwohnern verlängern Genehmigungsverfahren erheblich.
Hersteller von Windrädern und Fachkräfte für Installation und Wartung sind stark nachgefragt. Engpässe in der Lieferkette können den Ausbau bremsen, selbst wenn Genehmigungen vorliegen.
Rekord allein reicht nicht
Baden-Württemberg hat im ersten Halbjahr 2026 gezeigt, dass schneller Windkraftausbau möglich ist. Ein Rekord trägt sich jedoch nicht von selbst fort. Das Land braucht stabile gesetzliche Rahmenbedingungen, funktionierende Genehmigungsverfahren und politischen Willen auf allen Ebenen. Wer den Schwung des ersten Halbjahres verspielt, wird die verlorenen Jahre kaum aufholen können.
