Neue Studie deckt Mobilitätslücken auf
Frauen sind in Baden-Württemberg deutlich stärker in ihrer Mobilität eingeschränkt als Männer. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Studie „Gleichstellung in der Mobilität“, die vom Verkehrsministerium in Auftrag gegeben und von der Familienforschungsstelle Baden-Württemberg erstellt wurde. Die Untersuchung zeigt: Frauen legen komplexere Wegketten zurück, begleiten häufiger andere Personen und haben oft weniger verlässliche Unterstützung. Dadurch sind sie in ihrer Bewegungsfreiheit spürbar eingeschränkt – besonders in den Abend- und Nachtstunden.
Verkehrsminister Winfried Hermann betonte bei der Vorstellung der Ergebnisse: „Die Studie macht deutlich, dass Politik und Planung bisher zu wenig auf die spezifischen Mobilitätsbedürfnisse von Frauen reagieren. Das müssen wir ändern.“
Mehr Sorgearbeit – mehr Wege
Die Analyse zeigt, dass Frauen häufiger Sorgearbeit übernehmen und dadurch mehrere Wege zu kombinieren haben: Kinder zur Kita bringen, selbst zur Arbeit fahren, einkaufen, Fahrdienste für Freizeitaktivitäten übernehmen. Zehn Prozent aller Wege von Frauen erfolgen in Begleitung anderer – bei Männern sind es nur sechs Prozent. Diese komplexen Wegketten erfordern barrierefreie, flexible und zuverlässige Verkehrsmittel.
Staatssekretärin Elke Zimmer forderte deshalb, die Geschlechterperspektive von Anfang an in die Stadt- und Verkehrsplanung einzubeziehen: „Wenn die Mobilität nicht funktioniert, gerät der ganze Alltag aus dem Takt – das verursacht Stress und Mehrbelastung, gerade für Frauen.“
Sicherheit als entscheidender Faktor
Ein zentrales Problem ist die Sicherheitswahrnehmung: 68 Prozent der Frauen fühlen sich nachts im öffentlichen Nahverkehr ohne Begleitung unsicher. Das führt dazu, dass sie abendliche Wege vermeiden oder nur dann antreten, wenn sie abgeholt werden können. Minister Hermann machte klar: „Es darf nicht normal sein, dass ein 16-jähriges Mädchen abends nur ausgehen kann, wenn ein Elternteil sie abholt. Diese Unsicherheit im öffentlichen Raum müssen wir abbauen.“
Verbesserte Beleuchtung, freigeschnittene Hecken, einsehbare Haltestellen und sichere, familiengerechte Parkplätze könnten die Situation deutlich verbessern.
Männer als Risikofaktor im Straßenverkehr
Die Studie zeigt außerdem deutliche Unterschiede beim Verkehrsverhalten der Geschlechter: Männer überschreiten dreimal häufiger die zulässige Geschwindigkeit und fahren fünfmal öfter unter Alkoholeinfluss. Sie sind damit statistisch Hauptverursacher vieler Verkehrsunfälle.
Minister Hermann fordert daher konsequente Maßnahmen: „Wir müssen die Verkehrsrowdys einbremsen, bevor etwas passiert. Das gelingt durch mehr Kontrollen, strengere Sanktionen und eine klare Verkehrserziehung – besonders für junge Männer.“
Politik muss reagieren
Die Ergebnisse der Studie sind ein Auftrag an Politik und Verwaltung: Stadtplanung, Verkehrsmanagement und Sicherheitskonzepte müssen stärker an den Bedürfnissen von Frauen ausgerichtet werden. Barrierefreiheit, verlässliche ÖPNV-Verbindungen, sichere Fuß- und Radwege sowie flexible Angebote wie On-Demand-Shuttles sind zentrale Bausteine für mehr Mobilitätsgerechtigkeit.
Teil der Gleichstellungsstrategie
Die Untersuchung wurde Anfang 2025 im Kontext der landesweiten Gleichstellungsstrategie beauftragt. Sie liefert nicht nur Daten, sondern konkrete Handlungsfelder, die nun in der politischen Arbeit berücksichtigt werden sollen. Ziel ist es, Mobilität als einen wichtigen Bestandteil von Teilhabe und Freiheit zu begreifen – für Frauen genauso wie für Männer.
