Rückgang des Weinkonsums sorgt für Alarmstimmung
Die Weinwirtschaft in Baden-Württemberg schlägt Alarm: Der regionale Weinkonsum geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Nur noch rund 40 Prozent der in Deutschland getrunkenen Weine stammen aus heimischer Produktion – ein historischer Tiefstand. Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, machte gemeinsam mit Rainer Zeller, Präsident des Badischen Weinbauverbands, und Dietrich Rembold, Präsident des Württembergischen Weinbauverbands, deutlich, dass die Branche vor einem Wendepunkt steht.
„Der Rückgang liegt nicht an der Qualität – im Gegenteil. Unsere Weine sind exzellent. Doch wir verlieren Marktanteile und Sichtbarkeit. Wein aus Baden-Württemberg muss wieder ein Renner werden“, sagte Hauk bei einem gemeinsamen Pressetermin.
Bürokratie abbauen, Werbung ausbauen
Ein zentrales Ziel der Akteure ist es, die Hürden für die Winzerinnen und Winzer im Land zu senken. Bürokratische Auflagen und komplizierte Regularien sollen abgebaut werden, um den Betrieben Luft zum Atmen zu verschaffen. Gleichzeitig soll die Werbung für regionale Weine massiv verstärkt werden.
„Wir müssen dafür sorgen, dass Wein aus Baden und Württemberg wieder stärker in den Köpfen der Verbraucher verankert wird – als Symbol für Genuss, Regionalität und Kultur“, so die beiden Verbandspräsidenten unisono.
Ein Gesamtkonzept statt Schnellschüsse
Statt auf kurzfristige Einzelaktionen zu setzen, will das Ministerium gemeinsam mit den Weinbauverbänden ein umfassendes Gesamtkonzept entwickeln. Dabei sollen rechtliche Fragen, beihilferechtliche Rahmenbedingungen und die Finanzierung von Anfang an mitgedacht werden.
„Wir brauchen einen großen Wurf, der alle Beteiligten mitnimmt“, erklärte Hauk. Das Konzept soll bis Frühjahr 2026 erarbeitet werden und die Grundlage für eine langfristige Strategie bilden, die den Weinbau im Land nachhaltig stärkt.
Marketing-Offensive in Planung
Ein wichtiger Bestandteil der Initiative ist ein modernes, schlagkräftiges Landesmarketing. Bei der Pressekonferenz des Badischen Weinbauverbands wurde bereits über eine parafiskalische Abgabe zur Finanzierung von Werbemaßnahmen diskutiert. Diese Idee fand prinzipiell Zustimmung, wird aber erst nach Vorliegen des Gesamtkonzepts weiterverfolgt, um bestehende Strukturen nicht zusätzlich zu belasten.
„Wir werden genau prüfen, wie sich eine solidarische Finanzierung gestalten lässt. Unser Ziel ist es, ein tragfähiges Modell zu schaffen, das den Betrieben einen echten Mehrwert bringt“, so Rainer Zeller.
Engagement der Verbände
Die Weinbauverbände begrüßen die Initiative des Landes ausdrücklich. „Wir freuen uns über das klare Bekenntnis des Ministers zum baden-württembergischen Wein. Gerne bringen wir unsere Expertise ein, um eine Lösung zu entwickeln, die uns nach vorne bringt und unseren Marktanteil sichert“, sagte Württembergs Verbandspräsident Dietrich Rembold.
Die Zusammenarbeit zwischen Ministerium, Verbänden und Winzerbetrieben soll künftig noch enger werden, um Synergien zu nutzen und Maßnahmen zielgerichtet umzusetzen.
Weinbau als Kulturgut erhalten
Über den wirtschaftlichen Aspekt hinaus betonten Minister Hauk und die Verbandsvertreter die Bedeutung des Weinbaus für die Kulturlandschaft Baden-Württembergs. Rebhänge, Weinorte und Weinfeste prägen das Bild der Region und sind identitätsstiftend für viele Menschen.
„Mit dem Weinbau stärken wir nicht nur eine ganze Branche, sondern bewahren auch ein Stück Heimat und Tradition. Deshalb müssen wir jetzt handeln“, so Hauk abschließend. Nach der Weinlese sind intensive Gespräche geplant, um den Maßnahmenplan bis Frühjahr 2026 fertigzustellen.
