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Wolfsburg, Neckarsulm, Emden, Zwickau, Hannover: Vier deutsche Werke sollen bei Volkswagen schrittweise die Produktion einstellen. Das geht aus einem internen Papier hervor, über das die WirtschaftsWoche berichtet. Der Vorstand soll diesen Schritt einstimmig beschlossen haben. Das Audi-Werk in Neckarsulm im Kreis Heilbronn ist direkt betroffen.
Internes Papier sorgt für Aufruhr
Die Produktion in den betroffenen Werken soll ab 2031 schrittweise auslaufen und bis 2034 abgeschlossen sein. Das interne Dokument beschreibt das Vorgehen als „Leerlaufen von Werken“. Diese Formulierung ist juristisch bedeutsam: Ein bloßes Auslaufen der Produktion könnte der Vorstand ohne ausdrückliche Zustimmung des Aufsichtsrats umsetzen.
Der Aufsichtsrat von Volkswagen beriet am Donnerstag in Wolfsburg über die Zukunft der deutschen Standorte. Was konkret für Neckarsulm beschlossen wurde, blieb zunächst offen. Die Belegschaft des Audi-Werks protestierte gegen die Pläne.
Neckarsulm: Ein Standort mit langer Tradition
Das Audi-Werk in Neckarsulm gehört zu den ältesten Automobilstandorten Deutschlands. Tausende Beschäftigte arbeiten dort. Eine Schließung hätte massive Folgen für die Region rund um Heilbronn, auch für Zulieferer im regionalen Mittelstand.
Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Sie fordert Klarheit über die Zukunft des Standorts und lehnt eine einseitige Entscheidung des Vorstands ohne Einbindung des Aufsichtsrats ab. Konkrete Angaben zum weiteren Vorgehen des Landes machte sie zunächst nicht.
Streit um Entscheidungsrechte
Der zentrale Streitpunkt ist die Frage der Zuständigkeit. Werksschließungen im klassischen Sinne erfordern die Zustimmung des Aufsichtsrats. Das bloße Auslaufen von Modellreihen und die daraus folgende Stilllegung eines Werks könnte jedoch allein in der Hand des Vorstands liegen. Gewerkschafter und Arbeitnehmervertreter widersprechen dieser Lesart vehement.
Die IG Metall hat bereits klargemacht, dass sie eine Umgehung des Mitbestimmungsrechts nicht akzeptieren wird. Betriebsräte der betroffenen Werke schlossen sich dieser Position an. Der Konflikt zwischen Vorstand und Arbeitnehmerseite dürfte sich in den kommenden Wochen verschärfen.
Sparmaßnahmen als Hintergrund
Volkswagen kämpft seit Monaten mit sinkenden Absatzzahlen, hohen Kosten und wachsendem Druck durch asiatische Wettbewerber. Der Konzern hatte bereits Stellenabbau und Kostensenkungen angekündigt. Das interne Papier ist offenbar Teil eines umfassenden Restrukturierungsplans.
Für den Mittelstand in Baden-Württemberg sind die Pläne ein Warnsignal. Viele kleine und mittelständische Zulieferer hängen direkt oder indirekt am Auftragsvolumen des Audi-Werks in Neckarsulm. Ein Produktionsende würde eine ganze Lieferkette treffen.
Ausblick
Ob der Aufsichtsrat die Entscheidung des Vorstands mitträgt oder blockiert, wird in den nächsten Wochen entschieden. Für die Region Heilbronn und den Mittelstand steht dabei viel auf dem Spiel.
