Volkswagen zieht sich möglicherweise aus dem Profifußball zurück. Das Recherchenetzwerk Correctiv berichtete, der Wolfsburger Automobilkonzern prüfe den Verkauf seiner Anteile an zwei Bundesligaklubs: dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München. Grundlage ist ein umfassendes Sparprogramm, das der Konzern seit Monaten vorantreibt.
Porsche und Audi als Anteilseigner
Die Beteiligungen am VfB Stuttgart und am FC Bayern München hält Volkswagen nicht direkt. Sie laufen über die Konzerntöchter Porsche und Audi. Porsche ist mit einer Minderheitsbeteiligung an der VfB Stuttgart AG beteiligt. Audi hält Anteile am FC Bayern München. Beide Klubs sind börsennotiert beziehungsweise als Aktiengesellschaft organisiert.
Correctiv beruft sich in seinem Bericht auf Konzernkreise. Eine offizielle Bestätigung von Volkswagen liegt bislang nicht vor. Der Konzern wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.
Sparprogramm mit weitreichenden Folgen
Volkswagen befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Der Konzern kämpft mit sinkenden Absatzzahlen, hohen Transformationskosten und wachsendem Druck durch asiatische Wettbewerber. Das Sparprogramm zielt auf Milliardeneinsparungen ab. Werksschließungen, Stellenabbau und der Rückzug aus Randbereichen stehen auf der Agenda.
Sportbeteiligungen gelten in diesem Kontext als nicht zum Kerngeschäft gehörend. Sie kommen als Verkaufsobjekte in Frage, wenn ein Konzern schnell Liquidität generieren oder seine Bilanz bereinigen will.
Was der mögliche Verkauf für Stuttgart bedeutet
Für den VfB Stuttgart hätte ein Verkauf der Porsche-Anteile direkte Konsequenzen. Porsche ist Anteilseigner und Sponsor des Klubs. Ein Rückzug würde die finanzielle Basis des Vereins berühren. Ein Verkauf könnte gleichzeitig neue Investoren anziehen.
Der VfB Stuttgart hat sich in den vergangenen Jahren sportlich und wirtschaftlich stabilisiert. Die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft sollte genau solche Investorenbeteiligungen ermöglichen. Ein Anteilswechsel ist damit strukturell möglich, auch wenn er politisch und emotional heikel ist.
Vergleichbare Entwicklungen in der Branche
Dass Industriekonzerne ihre Fußballengagements überdenken, ist kein Einzelfall. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich für viele deutsche Unternehmen verschlechtert. Der Druck auf Kerngeschäfte steigt. Sponsoring und Beteiligungen im Sport geraten dabei als erste unter Rechtfertigungsdruck.
Volkswagen selbst hat eine lange Tradition im Fußball. Der VfL Wolfsburg gehört direkt zum Konzern und ist damit ein anderer Fall als Bayern München oder der VfB Stuttgart. Ob auch das Engagement in Wolfsburg zur Debatte steht, ist laut Berichten unklar.
Prüfung, noch keine Entscheidung
Volkswagen prüft den Verkauf von Fußballanteilen. Das ist zunächst nur eine Prüfung, keine Entscheidung. Für den VfB Stuttgart bedeutet die Meldung Unsicherheit. Ob und wann der Konzern eine Entscheidung trifft, ist derzeit offen.
