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Volkswagen steckt tief in der Krise. Konzernchef Oliver Blume hat die Situation des Wolfsburger Autobauers in einem internen Interview als mehr als kritisch beschrieben. Das Gespräch wurde im Intranet des Unternehmens veröffentlicht und liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.
Rendite solide, aber nicht ausreichend
Blume verwies auf eine operative Rendite von 3,8 Prozent. Diese sei in der gegenwärtigen schwierigen Lage zwar solide, reiche aber bei Weitem nicht aus, um dauerhaft genügend Mittel zu erwirtschaften. Der Konzernchef nannte neue Technologien, neue Produkte und die Standorte des Unternehmens als Bereiche, die auf dem Spiel stehen.
Volkswagen sei handlungsfähig, sagte Blume, betonte aber zugleich den akuten Handlungsbedarf. Beides schließe sich nicht aus. Die Botschaft an die Belegschaft war dennoch eindeutig: Der Umbau muss schneller und tiefer gehen als bisher geplant.
Bisherige Sparmaßnahmen reichen nicht
Blume stellte klar, dass die bereits laufenden Einsparungen nicht genügen. Volkswagen hatte in den vergangenen Monaten umfangreiche Sparprogramme angekündigt. Konkrete neue Maßnahmen nannte Blume in dem Interview nicht.
In der öffentlichen Diskussion kursiert seit Längerem die Zahl von 50.000 gefährdeten Stellen. Blume bezeichnete diese Zahl als keine fixe Zielgröße. Sie errechne sich aus dem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb und gebe eine Orientierung, wie groß der Handlungsbedarf sei.
Was die VW-Krise für Baden-Württemberg bedeutet
Der Abschwung bei Volkswagen betrifft nicht nur Niedersachsen. Baden-Württemberg ist eng mit dem Wolfsburger Konzern verflochten. Zahlreiche mittelständische Zulieferer im Südwesten liefern Komponenten an VW und seine Töchter, darunter Audi und Porsche.
Porsche hat seinen Sitz in Stuttgart und gehört mehrheitlich zu Volkswagen. Audi produziert in Neckarsulm. Wenn Wolfsburg spart, spüren das auch die Standorte und Lieferketten im Südwesten.
Viele Mittelständler in der Region haben ihre Produktionsplanung auf die Abrufmengen der großen Automobilhersteller ausgerichtet. Reduzieren diese ihre Bestellungen, geraten auch kleinere Betriebe unter Druck. Die VW-Krise trifft eine Branche, die ohnehin den Wandel zur Elektromobilität bewältigen muss.
Struktureller Druck auf die Automobilindustrie
Die Probleme bei Volkswagen sind nicht allein hausgemacht. Die gesamte europäische Automobilindustrie steht unter Druck. Chinesische Hersteller drängen mit günstigen Elektroautos auf den Markt, die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Europa blieb hinter den Erwartungen zurück, und die Produktionskosten in Deutschland sind hoch.
Für Volkswagen ergibt sich daraus ein Dreifachproblem: zu hohe Kosten, zu schwache Nachfrage, zu starker Wettbewerb. Blume hat dies intern offen angesprochen. Konzernchefs reden selten so deutlich über die eigene Schwäche.
Fazit
Blumes offene Worte zeigen: Volkswagen steht vor tiefgreifenden Veränderungen, und die Sparmaßnahmen werden härter ausfallen als bisher angekündigt. Für Mittelständler in Baden-Württemberg, die eng mit dem VW-Konzern verbunden sind, bleibt die Unsicherheit in der Zulieferkette hoch.
