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Monatenlange Vollsperrungen, Busse statt Bahnen, überfüllte Haltestellen: Die Generalsanierungen der Deutschen Bahn belasten Pendler erheblich. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert nun ein anderes Vorgehen. Vollsperrungen seien kein taugliches Mittel für die Dauerpraxis, so der Verband.
Vollsperrung als letztes Mittel
Der VCD macht seine Position klar: „Vollsperrungen dürfen nur das letzte Mittel sein.“ Das teilte der Verband Anfang September 2026 mit. Der Großteil der Sanierungsarbeiten solle unter „rollendem Rad“ stattfinden, also bei laufendem Betrieb. Vollsperrungen seien lediglich zu Beginn und am Ende einer Sanierung akzeptabel.
Das steht im Widerspruch zum bisherigen Konzept der Bahn. Der Konzern hatte das Modell der langen Vollsperrung bewusst gewählt. Das Ziel: mehr Bauvolumen in kürzerer Zeit. Mehrere Monate Sperrung in Kauf nehmen, dafür danach jahrelang ohne Baustellen fahren. So lautete die Logik hinter dem Programm.
Rund 40 Strecken im Sanierungsprogramm
Seit dem zweiten Halbjahr 2024 saniert die Deutsche Bahn rund 40 der wichtigsten Strecken im deutschen Schienennetz. Das Netz gilt seit Jahren als marode und störungsanfällig. Die Generalsanierungen sollen die Infrastruktur grundlegend erneuern.
Das Programm läuft nicht reibungslos. Bei einzelnen Sanierungen gab es Verzögerungen bei den Bauarbeiten, wodurch sich die Sperrphasen verlängerten. Ersatzverkehr mit Bussen kam in der Regel erst mit Verspätung auf die Strecken. Für Berufspendler bedeutet das längere Fahrzeiten, schlechtere Verbindungen und mehr Unsicherheit im Alltag.
Kritik am Baustellenmanagement
Der VCD kritisiert nicht nur die Länge der Sperrungen, sondern auch das Gesamtkonzept. Sanierungen unter rollendem Rad seien technisch möglich. Die Bahn habe diesen Ansatz aber bewusst zugunsten der Vollsperrungsstrategie aufgegeben. Der VCD hält das für falsch, besonders mit Blick auf die Pendlerinnen und Pendler.
Nur bestimmte Arbeiten erforderten tatsächlich eine vollständige Streckensperrung, so der Verband. Für alles andere gebe es Alternativen. Der Bau auf einer Gleishälfte bei gleichzeitigem Betrieb auf der anderen sei ein bekanntes Verfahren im europäischen Bahnbau.
Relevanz für Baden-Württemberg
Baden-Württemberg ist von der Debatte direkt betroffen. Mehrere Hauptkorridore im Südwesten gehören zu den stark belasteten Strecken im deutschen Schienennetz. Pendler zwischen Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Ulm nutzen täglich diese Trassen.
Lange Sperrzeiten treffen nicht nur Privatreisende. Auch Unternehmen spüren die Folgen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schlechter erreichbar sind oder Lieferketten stocken.
Ob der Konzern die Kritik aufgreift, ist offen. Das bisherige Modell stößt auf wachsenden Widerstand.
