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Die Handwerkskammer Ulm stellt sich gegen eine bundesweite Initiative zur Zusammenlegung von Ausbildungsberufen. Sachsen hat im Bundesrat einen Entschließungsantrag eingebracht. Ziel ist es, die Zahl der anerkannten Berufe im dualen Ausbildungssystem zu verringern. Die Kammer aus Baden-Württemberg widerspricht diesem Vorhaben.
Sachsen will Berufslandschaft vereinfachen
Der Vorstoß aus Sachsen zielt auf eine Straffung der dualen Berufsausbildung ab. Die Argumentation: Zu viele spezialisierte Berufe erschwerten die Übersicht und machten das System schwerer administrierbar. Eine Zusammenlegung ähnlicher Berufsbilder soll Abhilfe schaffen.
Doch dieser Ansatz stößt in Ulm auf Widerstand. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, lehnt eine pauschale Lösung ab. Seiner Einschätzung nach sind auch sogenannte seltene Ausbildungsberufe für das Handwerk unverzichtbar – selbst dann, wenn die Ausbildungszahlen gering sind.
Spezialisierung als Stärke
Die Handwerkskammer Ulm vertritt rund 18.000 Mitgliedsbetriebe in der Region. Das Handwerk lebt von handwerklicher Spezialisierung. Wer einen Orgelbauer, einen Sattler oder einen Vergolder braucht, findet diese Fachkräfte nur dank eigener Ausbildungsberufe.
Eine pauschale Zusammenlegung würde diese Berufe gefährden. Die Kammer verweist darauf, dass Ausbildungszahlen im Handwerk derzeit steigen, während IHK-Berufe leicht rückläufig sind. Diesen Trend will sie nicht durch bildungspolitische Eingriffe gefährden.
Bürokratie bremst zusätzlich
Die Kammer kämpft ohnehin an einer weiteren Front. Geflüchtete, denen Betriebe bereits Ausbildungsplätze zugesagt haben, können diese vielfach nicht antreten. Der Grund: Behördenverfahren dauern zu lang. Bis Aufenthaltstitel oder Arbeitserlaubnisse vorliegen, sind Ausbildungsplätze verloren.
Das trifft Betriebe hart. Offene Stellen bleiben unbesetzt, Investitionen in die Einarbeitung verpuffen. Die Handwerkskammer Ulm fordert deshalb schnellere Verfahren bei den Behörden.
Das Baugewerbe kennt das Problem ebenfalls. Der Bundesregierung wird vorgeworfen, einerseits Milliarden in Infrastruktur zu investieren, andererseits die Zuwanderung von Fachkräften zu beschränken. Ab 2027 soll die sogenannte Westbalkanregelung von 50.000 auf 25.000 Visa pro Jahr halbiert werden. Arbeitgeberverbände fordern keine Kürzung, sondern die Abschaffung der Obergrenze.
Handwerk fordert politisches Augenmaß
Die Handwerkskammer Ulm appelliert an die Bundesregierung und den Bundesrat, die Initiative aus Sachsen nicht pauschal zu übernehmen. Jeder Beruf brauche eine eigene Bewertung. Das Handwerk in Baden-Württemberg brauche seine Vielfalt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
