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Ukrainische Geflüchtete in Baden-Württemberg wollen arbeiten. Doch zwei Hürden stehen immer wieder im Weg: mangelnde Deutschkenntnisse und die fehlende Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Das zeigt die Bestandsaufnahme mehrerer Arbeitsmarktforscher rund viereinhalb Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs.
Sprache bleibt das größte Hindernis
Wer kein Deutsch spricht, findet schwer Arbeit. Das gilt besonders in Berufen, die direkte Kommunikation erfordern. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer haben solide Ausbildungen. Dennoch reichen ihre Sprachkenntnisse oft nicht aus, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt sofort Fuß zu fassen.
Sprachkurse sind der erste Schritt. Doch Angebot und Nachfrage stimmen nicht immer überein. Lange Wartezeiten auf Kursplätze und fehlende Kinderbetreuung erschweren die Teilnahme. Besonders Frauen mit kleinen Kindern stehen vor dieser Doppelbelastung.
Anerkennungsverfahren dauern zu lange
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stellt fest: Die Tätigkeiten ukrainischer Arbeitskräfte in Deutschland sind stark geschlechterspezifisch verteilt. Männer arbeiten häufiger in Handwerk und Industrie. Frauen sind öfter in Pflege und Reinigung tätig, oft unter ihrer eigentlichen Qualifikation.
Der Grund liegt häufig in den Anerkennungsverfahren. Ein ukrainischer Ingenieursabschluss oder ein medizinisches Diplom gelten in Deutschland nicht automatisch als gleichwertig. Die Verfahren sind langwierig. Manche Geflüchtete warten ein Jahr oder länger auf eine Entscheidung.
Arbeitsmarktforscher sehen darin einen strukturellen Fehler im deutschen System. Andere europäische Staaten haben die Anerkennungsprozesse beschleunigt und kommen dadurch schneller zu Ergebnissen.
Deutschland im europäischen Vergleich zurück
Im Vergleich mit anderen EU-Ländern schneidet Deutschland bei der Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter mittelmäßig ab. Länder wie Polen oder Tschechien haben Geflüchtete schneller in Beschäftigung gebracht. Dort wurden bürokratische Hürden früher abgebaut.
In Deutschland wurden Ukrainerinnen und Ukrainer zunächst in das Bürgergeld-System eingegliedert. Das sicherte ihren Lebensunterhalt, verzögerte aber den Druck zur Jobsuche. Kritiker sehen darin einen Fehler in der frühen Integrationspolitik.
Trotzdem fällt das Gesamtbild besser aus als bei anderen Flüchtlingsgruppen. Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommen zu dem Schluss: Die Integration ukrainischer Geflüchteter gelingt insgesamt besser als bei vergleichbaren Gruppen. Die Ausgangsbedingungen sind günstiger: hohe Bildungsabschlüsse, Arbeitswille und europäische Kulturähnlichkeit.
Baden-Württemberg: Fachkräfte dringend gesucht
Für Baden-Württemberg ist das Thema besonders relevant. Die Industrie im Südwesten sucht Fachkräfte. Ingenieure, Pflegekräfte und IT-Spezialisten fehlen in vielen Unternehmen. Ukrainische Geflüchtete könnten diese Lücken teilweise schließen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Die Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit in Baden-Württemberg arbeiten an gezielten Programmen. Sprachkurse werden mit Berufsqualifizierung verknüpft. Betriebe werden bei der Einstellung beraten. Der Ansatz sei richtig, sagen Arbeitsmarktforscher, brauche aber mehr Tempo.
Unternehmen im Land berichten von positiven Erfahrungen mit ukrainischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Motivation sei hoch. Wer erst einmal im Betrieb angekommen sei, bleibe in der Regel auch.
Fazit
Die Integration ukrainischer Geflüchteter in den Arbeitsmarkt schreitet voran, aber nicht schnell genug. Sprachbarrieren und träge Anerkennungsverfahren kosten Zeit. Baden-Württemberg hat die Chance, Fachkräftepotenzial zu nutzen. Dafür braucht es schnellere Verfahren, mehr Sprachkursangebote und eine engere Kooperation zwischen Behörden und Unternehmen. Die Voraussetzungen sind da. Es fehlt an Umsetzungsgeschwindigkeit.
