Zwei Bundesländer im Südwesten richten ihre Energiepolitik neu aus. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben frische Landesregierungen. Beide stehen vor denselben Herausforderungen: zu wenig Windkraft im Süden, stockender Ausbau, mangelndes Vertrauen der Wirtschaft in die Energiepolitik.
Neue Gesichter, neue Impulse
In Rheinland-Pfalz übernimmt Michael Ebling von der SPD das Amt des Energieministers. Das gab die Partei bekannt. Ebling steht vor einer schwierigen Ausgangslage. Eine IHK-Umfrage zeigt: Das Vertrauen der Unternehmen in die Energiepolitik ist stark beschädigt. Hohe Preise und Versorgungsunsicherheit belasten den Mittelstand.
Auch in Baden-Württemberg ist die neue Landesregierung gefordert. Das Land gehört zu den wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Gleichzeitig hinkt der Süden beim Ausbau erneuerbarer Energien dem Norden deutlich hinterher.
Druck auf den Bund wächst
Baden-Württemberg und Bayern haben gemeinsam im Bundesrat Änderungen an der geplanten EEG-Novelle gefordert. Beide Länder wollen mehr Ausschreibungsvolumen für Windenergieprojekte. Außerdem verlangen sie bessere Bedingungen für Projekte im Süden. Das Ziel: mehr Versorgungssicherheit und mehr Wirtschaftlichkeit für Betreiber.
Die Kritik richtet sich gegen ein strukturelles Problem. Im Norden Deutschlands wird mehr Windstrom erzeugt, als dort verbraucht wird. Im Süden fehlt es an Kapazitäten. Das Stromnetz ist damit dauerhaft unter Druck. Für die Industrie in Baden-Württemberg bedeutet das Risiko und Kosten.
Gemeinsames Positionspapier der Länder
Im November 2025 verabschiedeten sieben Bundesländer ein gemeinsames Positionspapier zur Energiewende. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gehörten zu den Unterzeichnern. Zusammen mit Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bremen bezogen die Energieministerien klar Stellung. Das Papier richtet sich an die Bundesregierung. Es fordert eine konsistentere und verlässlichere energiepolitische Ausrichtung.
Verlässlichkeit ist das Schlüsselwort. Unternehmen und Kommunen brauchen langfristige Planungssicherheit. Ohne klare Rahmenbedingungen stocken Investitionen in Windkraft, Photovoltaik und Netze.
Kommunen als Träger der Energiewende
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kommunalen Ebene. In Baden-Württemberg sollen regionale Klimaschutz- und Energieagenturen gestärkt werden. Geplant sind gemeinsame Schulungsmaterialien und Qualifizierungsangebote für kommunale Akteure. Außerdem sollen regionale Ansprechpersonen aufgebaut werden. Sie begleiten Kommunen und lokale Multiplikatoren direkt vor Ort.
Das ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Viele Kommunen verfügen nicht über das nötige Fachwissen, um Energieprojekte eigenständig umzusetzen. Externe Begleitung beschleunigt Genehmigungsverfahren und spart Ressourcen.
Wirtschaft erwartet Taten
Die Industrie in Baden-Württemberg beobachtet die politischen Weichenstellungen genau. Das Land ist stark von energieintensiven Branchen geprägt: Automobilbau, Maschinenbau, Chemie. Steigende Energiepreise gefährden die Wettbewerbsfähigkeit dieser Sektoren.
Die IHK-Daten aus der Region zeigen: Das Vertrauen der Unternehmen in politische Lösungen ist gering. Ankündigungen reichen nicht. Gefragt sind konkrete Maßnahmen, schnellere Genehmigungen und stabile Preissignale.
Fazit
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben die Weichen für eine aktivere Energiepolitik gestellt. Die neuen Landesregierungen stehen unter Druck: von der Wirtschaft, von den Kommunen, vom Klimaziel. Der Ruf nach Änderungen im Bundesrecht ist laut und kommt aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Ob Berlin darauf reagiert, entscheidet darüber, wie schnell der Süden Deutschlands seine Energieversorgung wirklich erneuern kann.
