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Baden-Württemberg ist ein Industrieland mit hohem Strombedarf. Eigene Windenergie liefert das Land bislang nur in geringen Mengen. Norddeutschland dagegen produziert Windstrom im Überfluss. Das Problem: Es fehlen die Leitungen, um diesen Strom in den Süden zu bringen. Genau hier setzt das Großprojekt SuedLink an.
Was SuedLink leisten soll
SuedLink ist eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung. Sie soll Windstrom aus Norddeutschland direkt nach Baden-Württemberg und Bayern transportieren. Das Kabel wird überwiegend als Erdkabel verlegt. Der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW ist auf der Südseite des Projekts zuständig.
Geplant ist die Inbetriebnahme für das Jahr 2028. Doch der Baufortschritt hinkt dem Zeitplan hinterher. Bislang sind erst rund 40 Kilometer Kabel verlegt. Tennet-Chef Tim Meyerjürgens bekräftigte zuletzt, die Trasse könne wie geplant fertiggestellt werden. Ob dieses Ziel realistisch ist, bleibt angesichts der geringen verlegten Streckenlänge fraglich.
Transnet BW kämpft mit Genehmigungen
Auf der Südseite steht Transnet BW vor erheblichen Hürden. Der Netzbetreiber ringt um Baugenehmigungen. Es gibt Konflikte mit Grundstückseigentümern entlang der geplanten Trasse. Ohne Baurecht können die Arbeiten nicht beginnen. In Baden-Württemberg ist noch kein Meter Kabel verlegt.
Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg begleitet die Energiewende politisch. Die Netzinfrastruktur ist dabei eine zentrale Voraussetzung. Ohne funktionierende Übertragungskapazitäten bringt auch ein Ausbau der erneuerbaren Erzeugung wenig.
Netzengpässe bremsen auch lokale Windkraft
Das Infrastrukturproblem beschränkt sich nicht auf das Fernleitungsnetz. Auch im Verteilnetz gibt es massive Engpässe. Netze BW, der größte regionale Verteilnetzbetreiber im Land, hat in der Region Mittelbaden einen Anschlussstopp verhängt. Neue Windkraftanlagen können dort bis 2035 nicht ans Netz angeschlossen werden.
Dabei hat der Schwarzwald erhebliches Potenzial. Die Windhöffigkeit der Region soll an die Verhältnisse im Norden und Osten Deutschlands heranreichen. Netze BW hat nach eigenen Angaben 40 Windparkprojekte in der Entwicklungspipeline. Wann diese realisiert werden können, ist wegen der Netzengpässe unklar.
Parallel laufen Bauprojekte bereits. Am Windpark Sirnitz/Dreispitz des Freiburger Energieversorgers Badenova haben die Fundamentarbeiten abgeschlossen. Die Bauteile für fünf Windenergieanlagen werden derzeit angeliefert und montiert.
Solarstrom als Stärke des Südens
Baden-Württemberg hat einen klaren Vorteil beim Solarstrom. Mehr Sonnenstunden als im Norden sorgen für hohe Solarerträge. Bayern und Baden-Württemberg haben die größte installierte Solarleistung in Deutschland. Das kompensiert das Winddefizit jedoch nicht vollständig. Industriebetriebe brauchen konstante Versorgung, die Solaranlagen allein nicht liefern können.
Infrastruktur entscheidet über den Erfolg der Energiewende
SuedLink ist für Baden-Württemberg kein Prestigeprojekt, sondern eine Notwendigkeit. Das Land verbraucht Strom in industriellen Mengen und kann die Versorgung aus eigenen erneuerbaren Quellen nicht sichern. Das Erdkabelprojekt muss bis 2028 liefern. Gleichzeitig müssen die lokalen Verteilnetze ausgebaut werden. Solange beides stockt, bleibt die Energiewende im Südwesten ein Projekt auf dem Papier.
