Zwei Bundesländer, die lange zu den Schlusslichtern beim Windkraftausbau gehörten, gehen jetzt in die Offensive. Baden-Württemberg und Bayern haben im Bundesrat mehrere Anträge zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes eingebracht. Ziel ist ein schnellerer, regional ausgewogenerer und systemdienlicher Ausbau der Windenergie an Land.
Gemeinsame Front im Bundesrat
Die Initiative der beiden Südländer ist politisch bemerkenswert. Bayern und Baden-Württemberg waren lange keine Vorreiter in der Windkraft. Jetzt fordern sie gemeinsam Nachbesserungen an der EEG-Novelle der Bundesregierung. Im Kern geht es um bessere Rahmenbedingungen für Projekte, die bereits genehmigt sind, aber noch keinen Zuschlag in den Ausschreibungen erhalten haben.
Das Problem ist konkret: In Baden-Württemberg stehen derzeit rund 846 Windenergieanlagen in Betrieb. Gleichzeitig befinden sich 1.763 weitere Anlagen in der Planungsphase. Viele davon sind bereits genehmigt. Sie warten jedoch auf einen Förderzuschlag. Die Ausschreibungen der Bundesnetzagentur sind überzeichnet. Genehmigte Projekte kommen damit nicht zum Zug.
Sonderausschreibung als zentrales Instrument
Der Bundesrat hat deshalb die Bundesregierung aufgefordert, eine Sonderausschreibung für Windenergie an Land aufzulegen. Das würde genehmigten Projekten schneller den Weg in die Realisierung öffnen. Baden-Württemberg und Bayern unterstützen diese Forderung ausdrücklich.
Die installierte Leistung der Windkraft in Baden-Württemberg liegt derzeit bei rund 1,8 Gigawatt. Das ist gemessen an der Fläche und dem Strombedarf des Industrielandes vergleichsweise wenig. Der Bund hatte vorgegeben, den Ausbau dauerhaft auf das Niveau der Jahre 2015 bis 2017 anzuheben. Dieses Ziel ist bislang nicht erreicht.
Regional ausgewogener Ausbau als Ziel
Neben dem reinen Mengenziel steht ein weiterer Aspekt im Mittelpunkt der Bundesratsinitiative: der regional ausgewogene Ausbau. Bislang konzentriert sich die Windkraftproduktion in Deutschland stark auf den Norden. Der Süden hinkt hinterher. Das belastet die Übertragungsnetze. Strom muss über weite Strecken transportiert werden.
Ein stärkerer Zubau im Süden würde die Netze entlasten. Er würde Strom dort erzeugen, wo er verbraucht wird. Baden-Württemberg als Industriestandort mit hohem Strombedarf hat ein direktes wirtschaftliches Interesse daran.
Wirtschaftliche Bedeutung für den Mittelstand
Der Windkraftausbau ist nicht nur eine Frage der Klimapolitik. Er betrifft die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft direkt. Unternehmen in Baden-Württemberg benötigen Planungssicherheit bei den Energiepreisen. Günstigerer Grünstrom aus regionaler Erzeugung senkt die Produktionskosten.
Gleichzeitig profitieren Zulieferer und Handwerksbetriebe vom Ausbau. Windparkprojekte vergeben Aufträge in der Region. Wartung, Tiefbau und Elektroinstallation sind typische Gewerke, die vor Ort erbracht werden. Ein beschleunigter Ausbau würde diese Nachfrage spürbar erhöhen.
Überzeichnete Ausschreibungen bremsen Investitionen
Das strukturelle Problem bleibt: Solange die Ausschreibungsvolumina zu gering sind, bleiben fertig geplante Projekte liegen. Investoren warten. Planungskosten laufen weiter. Banken zögern mit der Finanzierung. Die Initiative von Bayern und Baden-Württemberg zielt genau auf diesen Engpass.
Eine Anhebung der Ausschreibungsvolumina oder eine gezielte Sonderausschreibung würde den Stau auflösen. Genehmigte Anlagen könnten gebaut werden. Das wäre der direkteste Weg zu mehr Windstrom im Süden.
Fazit
Baden-Württemberg und Bayern senden mit ihrer Bundesratsinitiative ein klares Signal: Der Süden will beim Windkraftausbau aufholen. Die Forderungen sind konkret und pragmatisch. Sie zielen auf die Beseitigung eines echten Engpasses im Fördersystem. Ob die Bundesregierung die EEG-Novelle entsprechend anpasst, entscheidet darüber, wie schnell die fast 1.800 geplanten Windanlagen in Baden-Württemberg tatsächlich ans Netz gehen.
