Mercedes-Benz steht vor einem neuen Risiko auf dem US-Markt. Eine Gruppe von US-Senatoren treibt einen Gesetzentwurf voran, der Hersteller vernetzter Fahrzeuge mit chinesischen Anteilseignern vom amerikanischen Markt ausschließen soll. Für den Konzern aus Stuttgart könnte das weitreichende Folgen haben.
Was der Gesetzentwurf vorsieht
Der Entwurf zielt auf vernetzte Fahrzeuge ab. Gemeint sind Autos, die Daten übertragen, empfangen oder verarbeiten. Das betrifft heute nahezu jeden modernen Pkw. Die geplante Regelung würde Herstellern den Verkauf solcher Fahrzeuge in den USA verbieten, sofern chinesische Investoren nennenswerte Anteile halten.
Genau hier liegt das Problem für Mercedes. Chinesische Anteilseigner halten nach verfügbaren Informationen knapp 20 Prozent am Stuttgarter Konzern. Das würde Mercedes potenziell in den Anwendungsbereich des Gesetzes bringen. Ob und ab welchem Schwellenwert die Regelung greift, ist bislang nicht abschließend definiert.
Warum der US-Senat handelt
Der Hintergrund ist geopolitischer Natur. Washington betrachtet vernetzte Fahrzeuge als sicherheitsrelevante Technologie. Moderne Autos sammeln GPS-Daten, Kameradaten und Informationen über Fahrverhalten. US-Behörden befürchten, dass diese Daten in falsche Hände geraten könnten.
Die Biden-Regierung hatte bereits erste Schritte eingeleitet. Die aktuelle Initiative aus dem Senat geht weiter. Sie richtet sich nicht nur gegen chinesische Hersteller direkt, sondern erfasst auch westliche Konzerne mit chinesischer Kapitalbeteiligung. Das unterscheidet sie von früheren Regelungen.
Mercedes zwischen zwei Märkten
Für Mercedes-Benz ist die Lage heikel. China ist seit Jahren einer der wichtigsten Absatzmärkte weltweit. Gleichzeitig sind die USA für das Premiumsegment unverzichtbar.
Eine Ausgrenzung vom US-Markt wäre wirtschaftlich schmerzhaft. Mercedes verkauft in den Vereinigten Staaten jährlich Hunderttausende Fahrzeuge. Modelle wie die S-Klasse, die GLE-Reihe oder die AMG-Varianten erzielen dort hohe Margen.
Erschwerend kommt hinzu: Mercedes produziert in Tuscaloosa, Alabama, einen Teil seiner Fahrzeuge für den amerikanischen Markt. Das Werk beschäftigt mehrere Tausend Mitarbeiter. Eine gesetzliche Verkaufsbeschränkung würde auch diesen Standort treffen.
Breitere Auswirkungen auf die Branche
Mercedes ist nicht der einzige europäische Hersteller mit chinesischen Anteilseignern. Die Frage, wer genau unter das Gesetz fallen würde, ist für die gesamte Branche relevant. Auch Volkswagen und BMW unterhalten enge Verflechtungen mit chinesischen Partnern.
Moderne Fahrzeuge sind rollende Computersysteme. Chips, Software, Batteriezellen und Steuergeräte kommen häufig aus chinesischer Produktion oder von Zulieferern mit chinesischer Beteiligung. Eine klare Trennlinie zu ziehen, ist technisch und rechtlich komplex.
Der Gesetzentwurf steht noch am Anfang des parlamentarischen Prozesses. Bis zu einer möglichen Verabschiedung sind weitere Änderungen wahrscheinlich. Dennoch setzt allein die Debatte ein Signal: Washington nimmt das Thema ernst.
Fazit
Für Mercedes-Benz bedeutet der US-Vorstoß neuen Druck in einem ohnehin schwierigen Umfeld. Der Konzern muss den chinesischen Markt pflegen und zugleich den amerikanischen absichern. Beides wird schwieriger. Wie Stuttgart auf den Gesetzentwurf reagiert, dürfte in den kommenden Wochen deutlich werden. Der politische Druck aus Washington wächst.