Das Kfz-Gewerbe in Baden-Württemberg schlägt Alarm. Stellenabbau bei großen Zulieferern wie Bosch, ZF und Mahle trifft die gesamte Wertschöpfungskette. Rund 4.000 Betriebe mit 68.800 Beschäftigten spüren den Druck.
Zuliefererkrise strahlt auf den Handel aus
Baden-Württemberg gilt seit Jahrzehnten als Kernland der deutschen Automobilindustrie. Daimler, Porsche, Bosch, ZF und Mahle haben hier ihre Wurzeln. Doch der Strukturwandel hinterlässt Spuren. Mehrere große Zulieferer haben in den vergangenen Monaten massiven Stellenabbau angekündigt.
Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, formuliert die Lage klar. Der Verband beobachte die Entwicklungen bei Bosch, Mahle, ZF und anderen Zulieferern mit großer Sorge. Der Grund: Das Kfz-Gewerbe ist Teil derselben Wertschöpfungskette. Was die Hersteller und Zulieferer trifft, erreicht früher oder später auch Werkstätten und Händler.
Bosch allein will weltweit Tausende Stellen streichen. Davon sind auch Standorte in Baden-Württemberg betroffen. Die Wirtschaftsministerin des Landes hat bereits politische Entlastungen für die Branche gefordert. Beim Autogipfel 2025 machte die Industrie im Südwesten deutlich: Sie sieht die Politik in der Pflicht.
Offensive statt Lähmung
Trotz der schwierigen Lage setzt der Verband des Kfz-Gewerbes auf einen anderen Kurs. Während Hersteller und Zulieferer den Rotstift ansetzen, startet der Verband eine eigene Fachkräftestrategie. Ziel ist es, den Nachwuchs zu sichern und neue Zielgruppen zu erschließen. Dazu gehört auch die gezielte Ansprache von Frauen für technische Berufe.
Das ist kein Widerspruch, sondern Kalkül. Wer heute nicht ausbildet, fehlen morgen die Fachkräfte für die Transformation. Elektromobilität, Digitalisierung und veränderte Kundenbedürfnisse verlangen neue Kompetenzen in den Betrieben.
4.000 Betriebe als Transformationsmotor
Der Verband versteht sich als konstruktiver Akteur im Wandel. Die 4.000 Betriebe im Südwesten setzen die Transformation nach eigenen Angaben täglich in die Praxis um. Das betrifft die Wartung von Elektrofahrzeugen ebenso wie die Beratung von Kunden beim Umstieg auf neue Antriebe.
Verbandspräsident Ziegler betont die Rolle der kleinen und mittleren Betriebe. Sie sind nah am Kunden. Sie kennen die lokalen Märkte. Und sie reagieren schneller als Großkonzerne auf veränderte Nachfrage.
Politik gefordert, Branche unter Druck
Der Autogipfel 2025 hat gezeigt: Die Forderungen der Branche an die Politik sind umfangreich. Steuerliche Entlastungen, bessere Förderung der Elektromobilität und verlässliche Rahmenbedingungen stehen ganz oben auf der Liste. Die Unsicherheit über den künftigen politischen Kurs belastet Investitionsentscheidungen.
Auch internationale Entwicklungen spielen eine Rolle. Schwankende Rahmenbedingungen auf wichtigen Exportmärkten erschweren die Planung. Für ein exportorientiertes Bundesland wie Baden-Württemberg ist das besonders relevant.
Fachkräfte als Schlüsselfaktor
Die Fachkräftestrategie des Verbands ist langfristig angelegt. Technische Berufe im Kfz-Gewerbe sollen attraktiver werden. Dazu gehören neue Ausbildungsinhalte rund um Hochvolttechnik und digitale Fahrzeugsysteme. Der Verband will auch mehr Bewerberinnen für diese Berufe gewinnen.
Verbandsjubilar Carsten Beuß gilt intern als treibende Kraft bei der Modernisierung des Verbands. Präsident Ziegler bezeichnete ihn als Glücksfall für das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg.
Fazit
Das Kfz-Gewerbe in Baden-Württemberg steckt mitten in einem schwierigen Umfeld. Der Stellenabbau bei Zulieferern, unsichere Märkte und der Wandel zur Elektromobilität fordern die 4.000 Betriebe. Doch der Verband setzt auf Gegenkurs: Fachkräftesicherung und aktive Mitgestaltung der Transformation statt Abwarten. Ob diese Strategie trägt, hängt auch davon ab, welche Rahmenbedingungen die Politik schafft.
