Die Handwerkskammer Freiburg plant, die Gewerbeakademie in Schopfheim zu schließen. Der Standort soll verkauft werden. Aus dem Wiesental und dem Landkreis Lörrach kommt scharfer Protest gegen diesen Schritt.
Ein Standort mit großer regionaler Bedeutung
Die Gewerbeakademie Schopfheim ist mehr als ein Schulungsgebäude. Hier absolvieren Handwerker aus der Region Meisterkurse, Fachkurse und berufliche Weiterbildungen. Betriebe aus dem Wiesental nutzen den Standort für die Ausbildung ihres Nachwuchses. Die Nähe zum Betrieb und zur Heimat ist dabei kein Nebenpunkt, sondern ein handfester Vorteil.
Die Handwerkskammer Freiburg betreibt insgesamt vier Akademie-Standorte: in Schopfheim, Freiburg, Offenburg und Lahr. Schopfheim ist dabei der westlichste Punkt. Fällt dieser Standort weg, entstehen für viele Betriebe und Auszubildende lange Fahrtwege zu den verbliebenen Zentren.
Kammer argumentiert mit Ausbildungsqualität
Die Handwerkskammer verteidigt ihre Pläne. Es gehe nicht um Kostensenkung allein, sondern um die Qualität der Ausbildung im gesamten Kammerbezirk. Durch eine Konzentration auf weniger Standorte sollen Ressourcen gebündelt werden. Moderne Ausstattung und ein breiteres Kursangebot seien so leichter zu gewährleisten.
Die Kammer sieht die Gesamtentwicklung im Blick. Sinkende Teilnehmerzahlen an einzelnen Standorten erfordern Anpassungen. Eine dauerhaft wirtschaftliche Betrieb aller vier Akademien sei unter den aktuellen Bedingungen schwierig.
Protest aus Politik und Handwerk
Gegen die Schließungspläne formiert sich breiter Widerstand. Die Stadt Schopfheim hat sich klar positioniert. Aus Sicht der Stadt wäre die Schließung eine Katastrophe für das Handwerk im Landkreis. Es gehe um Fachkräfte, Meisterkurse, Weiterbildung und Berufsorientierung.
Auch lokale Handwerksbetriebe machen Druck. Sie sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Wer Meisterkurse oder Weiterbildungen nicht mehr wohnortnah anbieten kann, verliert Fachkräfte an andere Regionen. Gerade im Wiesental, einem von Mittelstand und Handwerk geprägten Wirtschaftsraum, wiegt das schwer.
Wiesental als strukturschwache Zone
Das Wiesental liegt im südlichen Schwarzwald, nahe der Grenze zur Schweiz und zu Frankreich. Die Region kämpft wie viele ländliche Räume mit dem Wegzug junger Menschen und dem Mangel an Fachkräften. Eine gut erreichbare Bildungsinfrastruktur gilt dort als wichtiger Standortfaktor.
Fällt die Gewerbeakademie weg, müssen Auszubildende und Handwerker künftig nach Freiburg oder weiter fahren. Das bedeutet Zeitaufwand und Kosten. Für kleine Betriebe mit wenigen Mitarbeitern ist das eine spürbare Belastung.
Entscheidung noch nicht endgültig
Eine endgültige Entscheidung der Handwerkskammer steht noch aus. Der Druck aus der Region ist hoch. Politik, Betriebe und Bürger verlangen zumindest eine ernsthafte Prüfung von Alternativen.
Vorstellbar wäre etwa eine Kooperation mit der Stadt Schopfheim oder dem Landkreis Lörrach. Auch ein reduzierter Betrieb mit konzentriertem Kursangebot wird diskutiert. Die Kammer hat sich auf konkrete Alternativmodelle bisher nicht festgelegt.
Fazit: Strukturfrage mit Signalwirkung
Der Streit um die Gewerbeakademie Schopfheim ist kein lokaler Einzelfall. Er steht exemplarisch für eine Grundsatzfrage: Wie viel dezentrale Bildungsinfrastruktur braucht das Handwerk auf dem Land? Die Handwerkskammer Freiburg muss diese Frage beantworten, bevor sie entscheidet. Die Region wartet auf eine Antwort.
