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Nikolas Stihl macht Druck. Der Chef des Motorsägenherstellers aus Waiblingen fordert eine offene Debatte über längere Wochenarbeitszeiten in der Metall- und Elektroindustrie. Sein Ziel: mehr Arbeitsstunden ohne Lohnausgleich. Die 35-Stunden-Woche bezeichnet er als Luxus vergangener Tage.
Ein Modell aus besseren Zeiten
Die 35-Stunden-Woche gilt seit Jahrzehnten als Errungenschaft der Gewerkschaft IG Metall. Sie wurde in den 1980er und 1990er Jahren in zähen Tarifkämpfen durchgesetzt. Nikolas Stihl sieht das Modell heute kritisch. Die wirtschaftlichen Bedingungen hätten sich grundlegend verändert.
Stihl sagte, eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich würde die Arbeitskosten relativ schnell senken. Die Lohnstückkosten in Deutschland liegen im internationalen Vergleich hoch. Konkurrenten aus Asien und Nordamerika produzieren günstiger.
Schwierige Tarifrunden erwartet
Stihl ist sich bewusst, dass seine Forderung auf Widerstand stößt. Er rechnet nicht mit einer einfachen Tarifrunde. Die 35-Stunden-Woche sei seinerzeit mit heftigen Geburtsschmerzen vereinbart worden. Ein Zurückdrehen werde großen Verlustschmerz erzeugen, so seine Einschätzung.
Er mahnt rasche Gespräche der Tarifparteien an. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland lasse keinen langen Aufschub zu. Viele Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie kämpfen mit sinkenden Auftragszahlen und steigenden Kosten.
Mercedes hatte die Debatte neu entfacht
Stihl steht mit seiner Haltung nicht allein. Die Führung von Mercedes hatte die Grundsatzdiskussion über Arbeitszeiten bereits aufgeworfen. Seither diskutiert die Branche offen über das Thema. Stihl greift diese Debatte nun auf und verschärft den Ton.
Gewerkschaft steht vor einer Grundsatzfrage
Für die IG Metall ist die 35-Stunden-Woche mehr als ein Tarifparagraf. Sie ist ein Symbol. Eine Aufweichung ohne Lohnausgleich würde die Realeinkommen der Beschäftigten senken. Das dürfte die Gewerkschaft entschieden ablehnen.
Auf der anderen Seite steht der Druck aus den Betrieben. Viele Unternehmen in Baden-Württemberg suchen Wege, ihre Kostenstruktur zu verbessern. Eine längere Wochenarbeitszeit ohne Mehrkosten wäre aus Unternehmersicht ein direktes Instrument dafür.
Waiblingen als Ausgangspunkt einer bundesweiten Debatte
Stihl beschäftigt weltweit mehrere zehntausend Mitarbeiter. Der Konzern hat seinen Hauptsitz in Waiblingen im Rems-Murr-Kreis. Als einer der bekanntesten Familienunternehmer Baden-Württembergs hat Nikolas Stihl eine öffentliche Stimme mit Gewicht.
Seine Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Herbst-Tarifrunde in der Metallindustrie vorbereitet wird. Die Positionen der Tarifparteien liegen weit auseinander. Stihls Vorstoß setzt die Arbeitgeberseite unter Erwartungsdruck und die Gewerkschaft unter Erklärungszwang.
Fazit
Nikolas Stihl hat eine alte Debatte mit neuer Schärfe eröffnet. Ob die Tarifparteien tatsächlich über eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit verhandeln werden, ist offen. Die kommenden Tarifrunden werden zeigen, wie weit beide Seiten zu gehen bereit sind.
