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Der Neckar-Odenwald-Kreis setzt auf einen ungewöhnlichen Energieträger: gebrauchtes Speiseöl aus Privathaushalten. Seit 2024 sammeln die Bürger ihre Frittierfett- und Ölreste getrennt. Daraus wird Kraftstoff gewonnen, der direkt in den Tanks der Müllfahrzeuge landet.
Kreislauf aus dem Haushalt in den Antrieb
Das Prinzip ist einfach: Haushalte im Landkreis geben gebrauchtes Speiseöl ab, dieses wird zu Biodiesel verarbeitet, und der fertige Kraftstoff fließt in die Fahrzeuge der kommunalen Abfallwirtschaft.
Die gesammelten Mengen reichen rechnerisch aus, um dauerhaft zwei Müllwagen zu betreiben. Abfall aus der Region treibt damit Fahrzeuge in der Region an.
Bundesweit gibt es kein vergleichbares Modell. Der Neckar-Odenwald-Kreis ist der einzige Landkreis in Deutschland, der Speiseölreste aus Privathaushalten systematisch für den eigenen Fuhrpark nutzt.
Warum Speiseöl als Kraftstoff funktioniert
Speiseöl lässt sich durch einen chemischen Prozess in Biodiesel umwandeln. Das Verfahren ist technisch erprobt. Bisher stammten solche Rohstoffe meist aus der Industrie oder der Gastronomie. Die Einbindung privater Haushalte als Lieferanten unterscheidet das Neckar-Odenwald-Modell davon.
Biodiesel aus Altspeiseöl gilt als erneuerbarer Kraftstoff. Er verbrennt zwar auch CO2, doch dieses stammt aus pflanzlichen Quellen. Die Klimabilanz ist deshalb günstiger als bei fossilem Diesel.
Vorbild für andere Landkreise in Baden-Württemberg
Der Neckar-Odenwald-Kreis liegt im Norden Baden-Württembergs, grenzt an Bayern und Hessen und hat rund 143.000 Einwohner. Gerade weil der Kreis ländlich und dünn besiedelt ist, gilt das Projekt als Beleg dafür, dass die Sammelmenge auch unter solchen Bedingungen ausreicht, um mehrere Fahrzeuge dauerhaft zu versorgen.
In dichter besiedelten Kreisen und Städten wie Stuttgart, Mannheim oder Karlsruhe wären die Potenziale rechnerisch größer. Dort fallen pro Haushalt ähnliche Mengen an Speiseöl an, die Einwohnerzahl ist jedoch ein Vielfaches höher.
Kommunen suchen günstige Alternativen zum Diesel
Viele Kommunen stehen unter Druck. Die Energiekosten für den Fuhrpark sind gestiegen, und Klimaziele verlangen eine Abkehr vom fossilen Diesel. Elektro-Lkw sind für schwere Müllfahrzeuge technisch noch nicht überall alltagstauglich. Biodiesel aus regionalen Quellen gilt deshalb als praktische Brückenlösung.
Das Modell aus dem Neckar-Odenwald-Kreis zeigt: Die Umstellung braucht keine große Infrastruktur, sondern vor allem die Bereitschaft der Bürger, ihren Küchenabfall getrennt zu entsorgen.
Ein kleiner Kreis als mögliches Modell
Der Neckar-Odenwald-Kreis zeigt, dass kommunale Abfallwirtschaft und lokale Energieversorgung verbunden werden können. Das Modell setzt keine Sondertechnologie voraus und ist auf andere Landkreise übertragbar. Es braucht Organisation und den politischen Willen zur Umsetzung.
