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Der Handelskonzern hinter Lidl und Kaufland denkt längst über Supermarktregale hinaus. Die Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm baut mit ihrer Tech-Einheit Schwarz Digits eine eigene digitale Infrastruktur auf. Das Ziel: als Cloud-Anbieter gegen Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud zu bestehen.
Neuer Tech-Campus in Bad Friedrichshall
In Bad Friedrichshall im Kreis Heilbronn eröffnet die Schwarz-Gruppe einen neuen Tech-Campus. Der Standort soll IT-Fachkräfte anziehen und binden. Wie viel der Bau gekostet hat, kommuniziert das Unternehmen nicht öffentlich. Die Dimension ist beachtlich: Berichte erwähnen einen Stahlbedarf, der siebenmal so hoch ist wie beim Eiffelturm.
Der Campus steht für eine strategische Neuausrichtung. Die Schwarz-Gruppe investiert in eigene Technologie, eigene Infrastruktur und eigenes Know-how.
STACKIT: Die Cloud-Plattform aus Baden-Württemberg
Kern der Digitalstrategie ist STACKIT. Die Cloud-Plattform der Schwarz-Gruppe betreibt bereits zwei Rechenzentren in Baden-Württemberg und richtet sich an den eigenen Konzern sowie an externe Unternehmenskunden.
STACKIT positioniert sich als europäische Alternative zu den US-amerikanischen Hyperscalern. Datenschutz nach europäischem Recht ist dabei ein zentrales Verkaufsargument, vor allem für Unternehmen, die sensible Daten nicht in amerikanischen Rechenzentren speichern wollen.
Milliarden-Investition in Brandenburg
Neben den Standorten in Baden-Württemberg plant die Schwarz-Gruppe den Bau eines Großrechenzentrums in Lübbenau in Brandenburg. Das Investitionsvolumen soll elf Milliarden Euro betragen.
Das Projekt steht für den Aufbau einer dauerhaften, skalierbaren Infrastruktur, nicht für ein Pilotprojekt.
Der Widerspruch: Eigene Cloud, aber Google Workspace
Die Strategie der Schwarz-Gruppe wirft eine Frage auf. Der Konzern migriert rund 595.000 Mitarbeiter von Microsoft auf Google Workspace und baut gleichzeitig mit STACKIT eine eigene Cloud auf. Das klingt widersprüchlich.
Darin lässt sich eine zweistufige Strategie lesen. Kurzfristig löst Google Workspace ein konkretes Produktivitätsproblem. Langfristig soll STACKIT die Abhängigkeit von externen Anbietern reduzieren. Der Wechsel von Microsoft zu Google ist damit keine dauerhafte Entscheidung für Google, sondern eine Übergangslösung.
Digitale Souveränität als Geschäftsmodell
Hinter dem Expansionskurs steht das Thema digitale Souveränität. Europa ist bei Cloud-Diensten weitgehend von US-Konzernen abhängig. Schwarz Digits will diese Lücke für einen Teil des Marktes schließen.
Behörden, Gesundheitsunternehmen und Finanzdienstleister suchen gezielt nach europäischen Cloud-Alternativen. Die DSGVO und geopolitische Unsicherheiten verstärken diesen Trend. STACKIT könnte davon profitieren.
Wettbewerb mit den Großen
Der Weg ist steil. Amazon, Microsoft und Google investieren jährlich jeweils mehrere Dutzend Milliarden Dollar in ihre Cloud-Infrastruktur. Ihr technologischer Vorsprung ist erheblich. STACKIT muss keine vollständige Alternative sein, aber eine glaubwürdige.
Die Schwarz-Gruppe setzt dabei auf Nischen. Europäische Compliance, lokale Präsenz und persönlicher Support sind Argumente, mit denen große US-Plattformen schwer punkten können.
Heilbronn greift den Cloud-Markt an
Die Schwarz-Gruppe ist kein reiner Handelskonzern mehr. Mit Schwarz Digits, STACKIT, dem neuen Campus in Bad Friedrichshall und dem geplanten Rechenzentrum in Brandenburg entsteht ein Tech-Anbieter aus Baden-Württemberg. Ob der Angriff auf Amazon und Google gelingt, hängt von Umsetzungsgeschwindigkeit, Produktqualität und Vertrauen ab. Die Investitionen zeigen: Der Konzern meint es ernst.
