Schaeffler wagt den Sprung in die Rüstungsindustrie. Der Automobil- und Industriezulieferer aus Herzogenaurach will gemeinsam mit einem französischen Partner schon bald bis zu 100 Kampf- und Abfangdrohnen pro Tag produzieren. Bisher kannte die Industrie Schaeffler vor allem als Hersteller von Wälzlagern und Antriebskomponenten.
Neues Geschäftsfeld unter Druck
Der Konzern steht vor einem strukturellen Wandel. Das klassische Automobilgeschäft gerät durch die Elektrifizierung und den globalen Wettbewerb unter Druck. Schaeffler reagiert darauf mit einer gezielten Diversifizierung. Neben der Rüstung setzt das Unternehmen auf Komponenten für humanoide Roboter sowie auf die Raumfahrt als Wachstumsfelder.
Die Strategie ist klar: Schaeffler will sich unabhängiger vom Automobilsektor machen. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 84.000 Mitarbeiter. Ein erheblicher Teil davon ist noch im klassischen Zuliefergeschäft tätig.
Partnerschaft mit französischem Unternehmen
Details zum französischen Partner hat Schaeffler bislang nicht vollständig offengelegt. Fest steht: Das Ziel ist eine industrielle Serienproduktion. 100 Drohnen pro Tag bedeuten ein erhebliches Fertigungsvolumen. Das erfordert präzise Fertigungstechnik, bei der Schaeffler seine Kernkompetenz einbringen kann.
Schaeffler verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Präzisionsfertigung. Lager, Aktuatoren und mechanische Komponenten gehören zum Kerngeschäft. Diese Technologien lassen sich direkt auf Drohnensysteme übertragen.
Rüstungsbranche als Wachstumsmarkt
Die europäische Rüstungsindustrie erlebt seit 2022 einen starken Aufschwung. Deutschland und seine Partner erhöhen die Verteidigungsausgaben deutlich. Das schafft Nachfrage nach industriell gefertigten Waffensystemen. Drohnen spielen dabei eine zentrale Rolle.
Schaeffler ist nicht das einzige Industrieunternehmen, das diesen Markt entdeckt. Zahlreiche klassische Zulieferer und Maschinenbauer prüfen den Einstieg in die Verteidigungstechnik. Der Schritt gilt jedoch als politisch und gesellschaftlich nicht unumstritten.
Aktie reagiert verhalten
An der Börse sorgte die Meldung nicht für Euphorie. Die Schaeffler-Aktie notierte nach der Bekanntgabe leicht im Minus. Investoren bewerten offenbar noch, wie realistisch das neue Geschäftsfeld mittelfristig Erträge liefern kann. Der Aufbau einer neuen Sparte erfordert zunächst Investitionen.
Standortfrage noch offen
Wo genau die Drohnen produziert werden sollen, ist noch nicht bekannt. Schaeffler betreibt in Deutschland mehrere Fertigungsstandorte. Auch Baden-Württemberg gehört zur Produktionslandschaft des Konzerns. Eine Entscheidung über den genauen Standort steht aus.
Fazit
Schaeffler vollzieht mit dem Einstieg in die Drohnenproduktion einen strategisch bedeutsamen Schritt. Der Konzern nutzt seine Fertigungskompetenz, um sich neue Märkte zu erschließen. Ob Rüstung, Robotik oder Raumfahrt: Der Zulieferer setzt auf Diversifizierung als Antwort auf den Wandel im Automobilsektor. Wie schnell und profitabel dieser Umbau gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
