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Der deutsche Rüstungsmarkt wächst. Die Militärausgaben steigen seit Jahren. Doch der Südwesten holt sich keinen proportionalen Anteil daran. Eine Auswertung auf Basis von rund 180 Unternehmen aus der Rüstungs- und Verteidigungsbranche in Baden-Württemberg zeigt: Andere Regionen wachsen schneller.
Bundesweiter Boom, regionaler Rückstand
Große Rüstungshersteller in Deutschland meldeten für das Jahr 2024 zum Teil über 50 Prozent mehr Umsatz als noch 2021. Diese Unternehmen sitzen allerdings nicht in Baden-Württemberg. Der Südwesten ist in der Branche präsent, aber nicht dort, wo die größten Aufträge landen.
Die Analyse erfasst Firmen aus dem gesamten Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Dazu gehören klassische Rüstungsproduzenten ebenso wie Zulieferer, Technologieanbieter und spezialisierte Mittelständler. Das Bild ist gemischt.
Diehl Defence als Ausnahme im Südwesten
Es gibt Gewinner im Südwesten. Diehl Defence aus Überlingen zählt dazu. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz in den vergangenen Jahren auf das Dreifache. Diehl produziert unter anderem Lenkflugkörper und Munition. Die Nachfrage nach diesen Produkten ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stark gestiegen.
Doch Diehl Defence ist eine Ausnahme. Viele andere Firmen im Südwesten sind kleiner und spezialisierter. Sie wachsen, aber langsamer. Der Abstand zu den großen nationalen Anbietern bleibt erheblich.
Breite Branche, unterschiedliche Profiteure
Rüstungsfirmen bauen nicht nur Gewehre. Zum Sektor gehören Elektronikhersteller, Softwareanbieter, Sicherheitstechnikfirmen und Logistikdienstleister. Baden-Württemberg ist in vielen dieser Teilbereiche aktiv. Fünf Beispiele aus dem Südwesten illustrieren diese Vielfalt.
Die Auswertung zeigt aber: Die Wertschöpfung konzentriert sich bei wenigen großen Herstellern. Diese sitzen vor allem in Bayern und Norddeutschland. Baden-Württemberg hat keine Entsprechung zu Rheinmetall aus Düsseldorf oder Hensoldt aus Taufkirchen bei München.
Strukturelle Gründe für den Rückstand
Baden-Württemberg ist traditionell eine Automobil- und Maschinenbauregion. Die Rüstungsbranche hat dort weniger Gewicht als in anderen Bundesländern. Fachkräfte, Kapazitäten und politische Netzwerke sind anderswo stärker auf Verteidigungsaufträge ausgerichtet.
Hinzu kommt: Große Beschaffungsprogramme der Bundeswehr laufen oft über Hauptauftragnehmer, die Unteraufträge vergeben. Baden-Württembergische Firmen sind häufig in dieser zweiten Reihe aktiv. Das schmälert den direkten Umsatzeffekt.
Hoffnungen auf Umrüstung bleiben teilweise unerfüllt
Manche Wirtschaftsvertreter hatten gehofft, der Rüstungsboom werde die Lücken füllen, die der schwächelnde Automobilsektor hinterlässt. Diese Hoffnung erfüllt sich nur begrenzt. Der Rüstungssektor folgt eigenen Strukturen. Ein schneller Wechsel von Autokomponenten zu Verteidigungsgütern ist technisch und organisatorisch aufwendig.
Einige Zulieferer aus dem Automotive-Bereich prüfen entsprechende Möglichkeiten. Konkrete, belastbare Ergebnisse dieser Umrüstungsversuche liegen für den Südwesten bislang nicht flächendeckend vor.
Fazit
Baden-Württemberg partizipiert am Rüstungsboom, aber nicht im erhofften Ausmaß. Die Umsatzzuwächse der großen nationalen Hersteller bleiben anderswo. Einzelne Unternehmen wie Diehl Defence zeigen, dass Wachstum möglich ist. Für die Breite der Branche im Südwesten gilt das bislang nicht. Die Daten zeigen einen Sektor im Aufschwung, dessen regionaler Anteil hinter den Erwartungen zurückbleibt.
