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Die Zahlen klingen besser, als sie sind. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft im Rems-Murr-Kreis liegt 2026 bei rund 3,74 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 1,9 Prozent. Dennoch verliert der Landkreis beim stationären Einzelhandel an Boden. Die Kaufkraft wächst, aber die lokalen Geschäfte schöpfen sie nicht ab.
Backnang, Fellbach und Schorndorf vorne
Drei Städte behaupten sich im Kreis als klare Einkaufsschwerpunkte: Backnang, Fellbach und Schorndorf. Sie ziehen Kaufkraft aus dem Umland an. Backnang bleibt dabei der stärkste Einkaufsstandort im gesamten Landkreis. Alle anderen Gemeinden verlieren per saldo Kaufkraft an Händler außerhalb ihrer Grenzen.
Das ist kein neues Muster. Schon in früheren IHK-Analysen zur Region Stuttgart zeigte sich: Kleinere Gemeinden können ihre Kaufkraft kaum binden. Die Ursache liegt nicht allein in fehlenden Geschäften. Auch der Onlinehandel zieht Umsätze ab.
Onlinehandel saugt Kaufkraft ab
Ein wachsender Teil des Geldes, das Verbraucher im Rems-Murr-Kreis zum Einkaufen bereitstellen, fließt in digitale Kanäle. Das ist bundesweit ein bekanntes Phänomen. Im Rems-Murr-Kreis trifft es besonders die mittelgroßen und kleinen Standorte. Händler in Gemeinden abseits der drei Hauptzentren kämpfen mit sinkenden Frequenzen in den Innenstädten.
Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Laut dem Handelsverband Deutschland ist er eine der größten strukturellen Herausforderungen im Einzelhandel. Manche Betriebe reduzieren bereits ihre Öffnungszeiten oder arbeiten mit weniger Personal. Das verschlechtert die Einkaufserfahrung und treibt Kunden ins Netz.
Strukturwandel mit regionalem Gesicht
Der Rems-Murr-Kreis steht vor einem klassischen Dilemma des stationären Einzelhandels. Die Kaufkraft der Bevölkerung steigt, doch die Händler vor Ort erreichen sie nicht. Das liegt an veränderten Konsumgewohnheiten, aber auch an strukturellen Schwächen vieler Innenstädte.
Leerstand, mangelnde Aufenthaltsqualität und fehlendes Parkraumangebot sind bekannte Faktoren. Städte wie Backnang, Fellbach und Schorndorf haben durch ihre Größe und ihr Angebot einen Vorteil. Kleinere Orte im Kreis verlieren Kunden an diese Zentren und gleichzeitig an den Onlinehandel.
Herausforderung für die Stadtentwicklung
Die Zahlen aus dem Rems-Murr-Kreis spiegeln die Lage vieler Landkreise in Baden-Württemberg. Kaufkraft allein sichert keinen funktionierenden Einzelhandel. Es kommt darauf an, ob es gelingt, Kunden in die Städte zu bringen und zu halten.
Kommunen, Händler und Wirtschaftsförderung müssten enger zusammenarbeiten. Events, verbesserter öffentlicher Nahverkehr und attraktive Erdgeschosszonen können helfen. Doch solche Maßnahmen brauchen Zeit und Investitionen. Schnelle Lösungen gibt es nicht.
Fazit
Im Rems-Murr-Kreis wächst die Kaufkraft, aber der stationäre Handel kann davon kaum profitieren. Backnang, Fellbach und Schorndorf halten ihre Position als Einkaufsschwerpunkte. Der Rest des Landkreises verliert. Solange der Onlinehandel weiter wächst und Innenstädte an Attraktivität verlieren, wird sich daran wenig ändern. Der Druck auf Handel und Kommunen bleibt hoch.
