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Der Arbeitsmarkt im Nordschwarzwald sendet widersprüchliche Signale. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli gestiegen, doch Unternehmen melden wieder deutlich mehr offene Stellen. Die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim veröffentlichte Ende Juli die aktuellen Zahlen für Pforzheim, den Enzkreis und den Kreis Calw.
Arbeitslosigkeit steigt um 2,1 Prozent
Im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim waren zuletzt 16.586 Menschen ohne Beschäftigung. Das sind 337 Personen oder 2,1 Prozent mehr als im Vormonat. Die Behörde stuft diesen Anstieg als saisonbedingt ein. Erfahrungsgemäß steigt die Arbeitslosigkeit im Juli, weil Ausbildungsverhältnisse enden und Schüler den Arbeitsmarkt neu betreten.
In der Stadt Pforzheim blieb die Arbeitslosenquote trotzdem stabil bei 7,4 Prozent. Pforzheim gehört damit weiterhin zu den Städten mit einer vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg.
Unternehmen melden deutlich mehr Stellen
Dem Arbeitgeberservice der Agentur wurden im Juli 846 neue Arbeitsstellen gemeldet. Gegenüber dem Vormonat Juni entspricht das einem Plus von 198 Stellen oder 30,6 Prozent. Verglichen mit dem Juli des Vorjahres stieg die Zahl um 145 Stellen, also um 20,7 Prozent. Der Gesamtbestand an gemeldeten Arbeitsstellen kletterte auf 3.360.
Während die Gesamtarbeitslosigkeit in der Region steigt, signalisieren Unternehmen einen wachsenden Personalbedarf. Nicht alle offenen Stellen lassen sich kurzfristig besetzen.
Industrie in Baden-Württemberg baut weiter Stellen ab
Die Industrie in Baden-Württemberg baut weiter Arbeitsplätze ab. Im ersten Halbjahr 2026 waren in der Industrie des Landes rund 1,124 Millionen Menschen beschäftigt. Der Rückgang setzt sich damit seit mehreren Jahren fort.
Pforzheim und der Enzkreis sind traditionell industriell geprägt. Die Schmuck- und Uhrenindustrie sowie Zulieferer des Maschinenbaus sind dort stark vertreten. Strukturwandel und schwache Nachfrage belasten viele Betriebe. Ein Teil der Unternehmen verbucht allerdings wieder mehr Aufträge. Ob daraus neue Beschäftigung entsteht, bleibt offen.
Bundesweiter Trend verstärkt den Druck
Bundesweit überschritt die Zahl der Arbeitslosen zuletzt die Drei-Millionen-Marke. Kriege, Krisen und strukturelle Umbrüche belasten die Konjunktur. Auch der Fachkräftemangel bleibt ein Problem: Laut dem Verein Deutscher Ingenieure stieg die Zahl arbeitsloser Informatiker zuletzt um 16,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig waren deutschlandweit rund 96.780 IT-Stellen unbesetzt.
Diese Lücke zwischen offenen Stellen und Arbeitslosen zeigt sich auch im Nordschwarzwald. Qualifikation und regionale Mobilität entscheiden darüber, wer von den neuen Stellenmeldungen profitiert.
Fazit
Der Julibericht der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim zeichnet ein gemischtes Bild. Der saisonale Anstieg der Arbeitslosigkeit war erwartet, die Dynamik bei den Stellenmeldungen fällt positiv aus. Ob die Region den strukturellen Rückgang in der Industrie ausgleichen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
