Mercedes-Benz verliert seinen wichtigsten Absatzmarkt. Asien ist erstmals seit Jahren nicht mehr die stärkste Verkaufsregion des Stuttgarter Autobauers. Die Zahlen sind deutlich: In Asien brachen die Absätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent ein. Damit gerät ein zentraler Pfeiler der Mercedes-Strategie ins Wanken.
China belastet, Gesamtabsatz sinkt
Das Kernproblem liegt in China. Dort verkaufte Mercedes-Benz im Gesamtjahr 2025 rund 551.900 Fahrzeuge. Im Vorjahr waren es noch 680.000 Einheiten. Das entspricht einem Rückgang von 19 Prozent. In ganz Asien lieferte der Konzern 2025 rund 747.000 Fahrzeuge aus, nach 889.000 im Vorjahr.
Auch die Quartalszahlen zeigen den Abwärtstrend. Im dritten Quartal 2025 sank der Absatz von Pkw und Vans um zwölf Prozent auf 525.300 Einheiten. Im ersten Quartal 2026 verkaufte Mercedes-Benz insgesamt 499.700 Pkw und Vans. Das entspricht einem Minus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Allein bei den Pkw waren es 419.400 Einheiten, ebenfalls sechs Prozent weniger als im bereits schwachen Vorjahreszeitraum.
Gewinneinbruch verschärft die Lage
Der Absatzrückgang trifft den Konzern im Mark. In den ersten neun Monaten 2025 ging der Überschuss um rund die Hälfte zurück. Mercedes-Benz steht damit nicht allein. Auch andere deutsche Hersteller melden rückläufige Zahlen und Stellenabbau. Die gesamte Branche steht unter Druck.
Für Mercedes wiegt der China-Einbruch besonders schwer. Das Land war über Jahre hinweg der wichtigste Wachstumsmotor. Die Premiummarke aus Stuttgart hatte stark auf den chinesischen Markt gesetzt. Dieser Hebel wirkt nun in die andere Richtung.
Lokale Konkurrenz verdrängt westliche Marken
Chinesische Hersteller wie BYD oder Nio gewinnen im eigenen Markt rasant an Boden. Sie bieten Elektrofahrzeuge zu wettbewerbsfähigen Preisen an. Westliche Premiummarken geraten dadurch unter Druck. Die Preisbindung nach oben wird schwieriger. Mercedes reagierte bereits mit Rabatten, was die Marge weiter belastete.
USA wachsen, Europa stabil
Nicht alle Regionen zeigen nach unten. In den USA legte das Geschäft von Mercedes-Benz zu. Europa zeigte sich vergleichsweise stabil. Diese Entwicklungen können den Einbruch in Asien jedoch nicht vollständig ausgleichen. Das Volumen in China ist schlicht zu groß.
Dennoch signalisieren die USA-Zahlen, dass die Marke in westlichen Märkten weiterhin Stärke besitzt. Dort behauptet sich Mercedes im Premiumsegment besser als in Asien. Die Strategie, sich auf hochmargige Fahrzeuge zu konzentrieren, zahlt sich in diesen Regionen stärker aus.
Strukturelle Neuausrichtung nötig
Mercedes-Benz steht vor einer strategischen Weichenstellung. Die Abhängigkeit von China war über Jahre eine Stärke. Nun wird sie zur Schwäche. Der Konzern muss seine regionale Balance neu justieren. Das braucht Zeit und Investitionen.
Gleichzeitig läuft der Wandel zur Elektromobilität. Auch hier ist China ein entscheidender Markt. Wer dort bei Elektrofahrzeugen nicht mithalten kann, verliert dauerhaft Boden. Mercedes investiert in neue Modelle und lokale Partnerschaften. Ob das reicht, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
Fazit: Ein strukturelles Problem, kein Ausreißer
Die Absatzkrise von Mercedes-Benz in Asien ist kein vorübergehendes Phänomen. Die Zahlen aus mehreren aufeinanderfolgenden Quartalen zeigen einen klaren Trend. China schwächelt, und der gesamte Asien-Absatz folgt. Der Stuttgarter Autobauer muss seine Marktstellung in der Region grundlegend neu aufbauen. Das USA-Wachstum ist ein positives Signal, kompensiert den Verlust aber nicht annähernd. Für Baden-Württemberg als Heimatstandort des Konzerns ist die Entwicklung ein ernstes Warnsignal.
