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Rainer Neske führt Deutschlands größte Landesbank durch schwieriges Fahrwasser. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte die Landesbank Baden-Württemberg einen Vorsteuergewinn von 708 Millionen Euro. Das sind 0,43 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 705 Millionen Euro. Für den Stuttgarter Bankchef ist das kein Anlass zur Selbstzufriedenheit. Neske mahnt Deutschland zu einem grundlegenden Kurswechsel.
Stabiles Ergebnis trotz schwierigem Umfeld
Das Halbjahresergebnis der LBBW fiel trotz gestiegener Risikovorsorge und geopolitischer Spannungen nahezu konstant aus. Neske bezeichnete das Institut als leistungsstark, kundennah und widerstandsfähig. Die Jahresprognose bestätigte er ohne Einschränkungen.
Die deutsche Wirtschaft kämpft derweil an mehreren Fronten. Die Industrie leidet unter Auftragsrückgängen. Der Mittelstand klagt über Bürokratie und Energiekosten. Die Konjunktur zeigt wenig Erholungszeichen.
Neskes Kritik: Zu viel Debatte, zu wenig Tat
Vor diesem Hintergrund äußerte Neske scharfe Kritik am deutschen Diskurs. Statt über Innovation und Produktivität zu sprechen, verliere das Land sich in Debatten über einzelne Arbeitsstunden. Das sei der falsche Fokus.
Neske geht noch weiter. Er sagte, er würde im Moment eher in Boston gründen als in Deutschland. Eine harte Aussage von einem Mann, der selbst an der Spitze eines deutschen Instituts steht.
Konkret richtet sich seine Kritik gegen überbordende Bürokratie. Genehmigungsverfahren dauerten zu lang. Regulierung koste Kraft, die in Innovation fließen sollte. Neske fordert mutige politische Entscheidungen statt kleinteiliger Verwaltungsreflexe.
NordLB: Neske für zügige Lösung
Neske positionierte sich auch zur Zukunft der NordLB. Die LBBW hält seit der Rettung des Hannoveraner Instituts im Jahr 2019 Anteile daran. Das Land Niedersachsen verhandelt mit den Landesbanken und Sparkassen über einen Rückkauf dieser Anteile.
Neske sprach sich grundsätzlich positiv für einen Verkauf aus und forderte zügige Entscheidungen. Sieben Jahre nach der Rettungsaktion sei es Zeit, die Eigentümerstruktur der NordLB zu klären. Die LBBW brauche ihr Kapital für das eigene Kerngeschäft.
Ein Banker als wirtschaftspolitische Stimme
Die LBBW ist mit Sitz in Stuttgart die größte Landesbank Deutschlands. Sie finanziert Mittelständler und Großunternehmen im ganzen Land.
Wenn Neske sagt, der Standort Deutschland verliere an Attraktivität, basiert das auf dem täglichen Geschäft mit Unternehmenskunden. Viele davon sitzen in Baden-Württemberg, dem industriellen Zentrum der Republik.
Die Automobilindustrie steckt im Wandel. Maschinenbauer kämpfen gegen günstige Konkurrenz aus Asien. Startups schauen oft zuerst in Richtung USA oder Großbritannien, bevor sie Deutschland als Standort in Betracht ziehen. Genau das will Neske geändert sehen.
Solide Bilanz, unbequeme Botschaft
Die LBBW weist mit 708 Millionen Euro Vorsteuergewinn ein solides Halbjahresergebnis aus. Neske lässt keine Feierstimmung aufkommen. Seine Botschaft: Deutschland braucht weniger Regulierung, schnellere Entscheidungen und mehr Bereitschaft zur Innovation. Das, so Neske, gilt für die Politik wie für die Wirtschaft gleichermaßen.
