Am 8. März 2026 wählen die Baden-Württemberger einen neuen Landtag. Winfried Kretschmann tritt nicht mehr an. CDU und Grüne liefern sich ein knappes Rennen. Doch hinter dem politischen Wettbewerb steht eine wirtschaftliche Realität, die der neuen Regierung wenig Spielraum lässt.
Wirtschaftlich solide, aber die Stimmung trübt sich ein
Baden-Württemberg gehört nach wie vor zu den wirtschaftsstärksten Bundesländern in Deutschland. Die Industrie ist breit aufgestellt, der Mittelstand gilt als Rückgrat der Region. Doch die Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte.
Bereits Ende 2024 warnte die damalige Wirtschaftsministerin öffentlich vor mageren Zeiten. Landesregierung und Wirtschaftsverbände befürchteten für 2025 eine weitere Verschlechterung. Diese Einschätzung hat sich bewahrheitet. Die Stimmung in den Betrieben ist gedrückt.
Besonders der produzierende Mittelstand leidet. Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage aus dem Ausland und ein anhaltender Fachkräftemangel belasten die Unternehmen. Viele Betriebe im Südwesten haben ihre Investitionspläne zurückgestellt.
Strukturwandel als zentrale Herausforderung
Automobilindustrie unter Druck
Der Südwesten ist stark mit der Automobilindustrie verflochten. Zulieferer und Hersteller stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Elektromobilität verändert Produktionsprozesse und Wertschöpfungsketten grundlegend. Viele Unternehmen suchen nach Wegen, sich neu aufzustellen.
Dieser Prozess kostet Zeit und Kapital. Beides ist knapp. Die neue Landesregierung wird Rahmenbedingungen schaffen müssen, die diesen Wandel unterstützen, ohne bestehende Strukturen abrupt zu gefährden.
Standortfaktoren geraten ins Hintertreffen
Baden-Württemberg hat jahrzehntelang von seiner starken Innovationskultur profitiert. Fraunhofer-Institute, Universitäten und Technologiezentren prägen das Land. Doch im internationalen Vergleich verliert der Standort an Boden.
Bürokratie, langsame Genehmigungsverfahren und eine veraltete digitale Infrastruktur bremsen Unternehmen aus. Startups und junge Technologiefirmen weichen zuweilen auf andere Standorte aus. Das ist ein Signal, das die Politik ernst nehmen muss.
Was Unternehmen von der neuen Regierung erwarten
Der Mittelstand formuliert klare Erwartungen. Weniger Regulierung, schnellere Verwaltungsprozesse und eine verlässliche Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen stehen ganz oben auf der Liste. Diese Forderungen sind nicht neu. Umgesetzt wurden sie bislang nur in Ansätzen.
Die Wirtschaftsverbände im Südwesten fordern konkrete Maßnahmen zur Standortsicherung. Dazu gehören gezielte Förderungen für den industriellen Wandel sowie bessere Bedingungen für Forschung und Entwicklung. Auch die Infrastruktur ist ein Thema: Straßen, Schienen und digitale Netze brauchen Investitionen.
Die grün-schwarze Landesregierung hat vor der Wahl noch versucht, wichtige Gesetzesvorhaben abzuschließen. Trotz des politischen Übergangs sollte die Arbeit nicht monatelang ruhen, hieß es aus der Staatskanzlei. Ein Zeichen dafür, dass der Handlungsdruck erkannt wurde.
CDU und Grüne im Wirtschaftswahlkampf
Beide großen Parteien beanspruchen wirtschaftliche Kompetenz. Die CDU setzt auf klassische Unternehmensfreundlichkeit und weniger staatliche Eingriffe. Die Grünen unter Spitzenkandidat Cem Özdemir betonen die Verbindung von ökologischem Umbau und wirtschaftlicher Stärke.
Özdemir ist der Hoffnungsträger seiner Partei. Die Grünen sind optimistisch, das knappe Rennen noch für sich zu entscheiden. Ob sein Kurs die Wirtschaft überzeugt, wird sich zeigen.
Für den Mittelstand spielt die Parteifarbe der Regierung eine geringere Rolle als konkrete politische Entscheidungen. Planungssicherheit, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und eine handlungsfähige Verwaltung sind das, was Unternehmer im Alltag brauchen.
Fazit: Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Wahl
Baden-Württemberg ist kein Krisenfall. Das Bundesland verfügt über starke Substanz: eine leistungsfähige Industrie, gut ausgebildete Fachkräfte und eine dichte Forschungslandschaft. Doch diese Substanz muss gepflegt und weiterentwickelt werden.
Die neue Landesregierung wird rasch handeln müssen. Die Stimmung in der Wirtschaft ist kein gutes Omen für Zögerlichkeit. Wer regiert, steht vor der Aufgabe, Vertrauen zurückzugewinnen und den Standort fit für die kommenden Jahre zu machen. Der Wahlabend ist der Startschuss, nicht das Ziel.
