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Karlsruhe hat am 30. September 2026 eine neue Konferenz für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ausgerichtet. Unter dem Titel „LÄND of GovTech“ kamen Vertreter aus Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie wird der Staat digital handlungsfähig?
Verwaltung trifft Technologie
Die Konferenz versteht sich als neue Leitveranstaltung für staatliche Digitalprojekte. Startups und Unternehmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur präsentierten ihre Lösungen. Vertreter aus kommunaler, Landes- und Bundespolitik saßen ihnen gegenüber.
Das Grundprinzip der Konferenz ist klar: Der Staat soll das digitale Ökosystem nicht nur regulieren und fördern, sondern selbst aktiv nutzen. Nur so könne die öffentliche Verwaltung glaubwürdig modernisiert werden. Diese Botschaft zog sich durch die gesamte Veranstaltung.
Auf der Agenda standen konkrete Themen: Verwaltungsmodernisierung, der sogenannte Deutschland-Stack als gemeinsame digitale Infrastruktur, Künstliche Intelligenz im öffentlichen Sektor und die Justizcloud. Alle vier Felder gelten als zentrale Baustellen der föderalen Digitalisierungsagenda.
Baden-Württemberg als Taktgeber
Karlsruhe ist kein zufälliger Veranstaltungsort. Die TechnologieRegion Karlsruhe gehört zu den dichtesten Innovations- und Forschungsstandorten Deutschlands. Hochschulen, Forschungsinstitute und Tech-Unternehmen sind dort eng vernetzt.
Baden-Württemberg positioniert sich mit solchen Formaten bewusst als Vorreiter bei der Verwaltungsdigitalisierung. Das Land will zeigen: Digitalisierung aus dem Südwesten funktioniert und kann Maßstäbe für ganz Europa setzen.
Der Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg, der sogenannte Dr.-Rudolf-Eberle-Preis, fördert kleine und mittlere Unternehmen mit Preisgeldern von insgesamt 50.000 Euro. Solche Instrumente sollen auch den GovTech-Bereich stärken.
Startups im Fokus des Staates
Für die Gründerszene in Baden-Württemberg ist die Konferenz ein wichtiges Signal. Viele Startups rund um Stuttgart und Karlsruhe arbeiten an digitalen Lösungen für den öffentlichen Sektor. Öffentliche Auftraggeber gelten als schwer zugänglich. Formate wie „LÄND of GovTech“ sollen diese Hürde senken.
Die KI-Allianz Baden-Württemberg engagiert sich parallel in verwandten Feldern. Ein laufendes Projekt der Allianz widmet sich der Cybersicherheit für kleine und mittlere Unternehmen. Die Digitalisierungsagenda des Landes greift damit auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Europäischer Anspruch, regionaler Ursprung
Die Veranstalter formulierten einen explizit europäischen Anspruch. Digitale Lösungen aus Baden-Württemberg sollen nicht nur im Land funktionieren, sondern als Modell für andere Regionen und Mitgliedstaaten dienen.
Baden-Württemberg hatte sich bereits im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas mit Bürgerdialogen und Beteiligungsformaten eingebracht. Die Digitalisierung war dabei eines der zentralen Themen. Der Schritt von Bürgerdialog zu Fachkonferenz ist bewusst.
Föderale Agenda als Chance
Die föderale Struktur Deutschlands gilt oft als Hindernis für einheitliche digitale Lösungen. Die Konferenz setzt dagegen ein anderes Bild: Föderalismus als Labor. Wer im Südwesten digitale Verwaltungslösungen erfolgreich umsetzt, liefert Blaupausen für andere Länder.
Der Deutschland-Stack, also eine gemeinsame digitale Infrastruktur für öffentliche Verwaltungen, war eines der meistdiskutierten Konzepte der Veranstaltung. Er soll verhindern, dass jedes Bundesland und jede Kommunalverwaltung eigene Insellösungen baut.
Fazit
Karlsruhe hat mit „LÄND of GovTech“ eine Konferenz etabliert, die einen wichtigen Nerv trifft. Der Staat als Nachfrager digitaler Innovationen ist eine Rolle, die Deutschland lange unterschätzt hat. Baden-Württemberg versucht jetzt, diese Lücke zu schließen. Ob daraus eine dauerhafte Leitkonferenz wird, hängt davon ab, ob Ankündigungen in echte Projekte münden.
