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Der Iran-Krieg schlägt direkt an der Zapfsäule durch. Superbenzin der Sorte E10 kostet im bundesweiten Tagesdurchschnitt mehr als zwei Euro pro Liter. Ein Liter Diesel ist seit Kriegsausbruch um mehr als 54 Cent teurer geworden. Für Baden-Württemberg, eines der automobillastigsten Bundesländer Deutschlands, ist das eine spürbare Belastung: für Pendler, für den Mittelstand, für Logistiker.
Preisanstieg trifft den Südwesten mit Wucht
Rund um Heilbronn, Stuttgart und Freiburg berichten Tankstellenbetreiber von verunsicherten Kunden. Wer täglich zur Arbeit pendelt, zahlt pro Tankfüllung deutlich mehr als noch vor wenigen Wochen. Für viele Haushalte ist das ein konkretes Problem im Alltag.
Besonders betroffen sind Betriebe mit großen Fuhrparks. Speditionsunternehmen und Handwerksbetriebe, die täglich Fahrzeuge im Einsatz haben, spüren den Anstieg direkt in der Kostenkalkulation. Mehrere Logistikunternehmen im Raum Stuttgart haben bereits Kraftstoffzuschläge für ihre Kunden angekündigt.
Durch die Straße von Hormuz fließt ein bedeutender Teil des weltweiten Öltransports. Der Krieg im Iran hat die Passage unsicher gemacht, was den Ölpreis treibt. Und der Ölpreis treibt den Spritpreis.
Konzerne unter Verdacht, Kartellamt zurückhaltend
Kritiker werfen Mineralölkonzernen vor, die Lage zu nutzen. Der Vorwurf: Die Preise steigen schneller als der Rohölpreis es rechtfertigen würde. Im EU-Vergleich liegt Deutschland bei den Spritpreisen weit oben. Bundeswirtschaftsministerin Reiche hat eine Prüfung durch das Bundeskartellamt angekündigt.
Das Kartellamt selbst dämpft die Erwartungen. Eine rasche Abhilfe sei nicht zu erwarten, so die Behörde. Preisschwankungen an der Zapfsäule seien komplex und hingen von vielen Faktoren ab, nicht nur vom Rohölpreis.
Der ADAC hat auf einen weiteren Preistreiber hingewiesen: die Tankstellenregel der Bundesregierung. Diese Regelung soll den Wettbewerb fördern, erzeugt aber nach Einschätzung des Automobilclubs zusätzlichen Druck auf die Preise. Selbst während einer Feuerpause im Iran-Krieg sanken die Spritpreise kaum.
Kein Tankrabatt in Sicht
Die Bundesregierung plant derzeit keine staatliche Entlastung. Ein Regierungssprecher verwies auf die Abhängigkeit der Preise vom Kriegsverlauf und der Lage an der Straße von Hormuz. Man werde damit noch eine Weile umgehen müssen.
Ein früherer temporärer Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter hatte die Preise künstlich gedrückt. Nach dessen Auslaufen zogen die Preise sofort wieder an. Ohne externe Eingriffe oder einen Rückgang des Ölpreises bleibt das Niveau hoch.
Was bedeutet das für die Wirtschaft im Südwesten?
Baden-Württemberg hat viele exportstarke Industrieunternehmen und ein dichtes Netz an mittelständischen Zulieferern. Viele dieser Betriebe sind auf günstige Transportkosten angewiesen. Steigende Dieselpreise erhöhen die Produktionskosten und schmälern Margen.
Für die Automobilindustrie im Land ergibt sich eine paradoxe Situation. Hohe Spritpreise könnten den Umstieg auf Elektrofahrzeuge beschleunigen. Gleichzeitig belastet der Krieg die globalen Lieferketten, von denen auch Zulieferer in Stuttgart, Sindelfingen oder Ulm abhängen.
Handwerkskammern und Industrieverbände fordern von der Politik klare Signale. Planungssicherheit sei wichtiger als kurzfristige Rabattaktionen, so die einhellige Botschaft aus der Wirtschaft.
Strukturelle Abhängigkeit bleibt das eigentliche Problem
Der Iran-Krieg zeigt, wie verwundbar Deutschland und Baden-Württemberg durch die Abhängigkeit vom fossilen Öl sind. Kurzfristig gibt es kaum Hebel, um die Preise zu senken. Mittelfristig bleibt die Diversifikation der Energiequellen die einzige belastbare Antwort. Für Unternehmen und Pendler im Südwesten bleiben die hohen Kosten an der Zapfsäule vorerst Realität.
