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Die Wirtschaft in Baden-Württemberg schlägt Alarm. Schulabgänger bringen immer seltener die nötigen Grundkenntnisse für eine Berufsausbildung mit. Die aktuellen PISA-Ergebnisse bestätigen, was Betriebe im Südwesten seit Jahren melden: Das Bildungsniveau sinkt.
Rekordtief bei PISA: Schüler so schwach wie nie
25 Jahre nach dem ersten PISA-Schock folgt der nächste. Die internationale Bildungsstudie testet alle vier Jahre die Kompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Das aktuelle Ergebnis ist das schlechteste, das Deutschland je in dieser Studie erzielt hat.
Die Defizite sind breit gestreut. Besonders schwach schneiden die Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften ab. Auch im Deutschen zeigen sich erhebliche Lücken.
Für die Wirtschaft sind das keine abstrakten Zahlen. Sie beschreiben den Nachwuchs von morgen.
Betriebe übernehmen Aufgaben der Schulen
Mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland organisiert bereits Nachhilfe für seine Auszubildenden. Das berichten Wirtschaftsverbände auf Bundesebene. Die Betriebe gleichen aus, was Schule und Elternhaus versäumt haben.
Auch in Baden-Württemberg kennen Unternehmen dieses Problem. Bewerberinnen und Bewerber scheitern an einfachen Rechenaufgaben oder können Texte nicht sinnerfassend lesen. Grundvoraussetzungen für eine Ausbildung fehlen.
IHK Stuttgart fordert Rückbesinnung auf Kernkompetenzen
Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart, zeigt sich von den PISA-Ergebnissen nicht überrascht. Die Signale aus den Betrieben seien seit Jahren eindeutig. Herre fordert eine Rückbesinnung auf das Wesentliche: Lesen, Schreiben und Rechnen müssen wieder Priorität haben.
Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag fordert einen klaren Kurswechsel in der Bildungspolitik. Schulen müssen verlässlich vermitteln, was Betriebe für eine duale Ausbildung voraussetzen. Das ist aktuell nicht der Fall.
Bildungsrevolution oder gezielte Reformen?
Bildungsexpertinnen und -experten sind sich über den richtigen Weg uneinig. Manche fordern eine grundlegende Neuausrichtung des gesamten Schulsystems. Andere plädieren für gezielte Eingriffe: mehr Förderung in der Grundschule, verbindliche Lesestandards, eine stärkere Lehrerausbildung.
Einigkeit besteht jedoch in einem Punkt: Der Status quo ist nicht tragbar. Für ein Industrieland wie Baden-Württemberg ist Bildung kein Randthema, sondern ein Standortfaktor.
Fachkräftemangel verschärft die Lage
Der Fachkräftemangel trifft den Südwesten bereits hart. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Wenn gleichzeitig die Qualifikation der Bewerber sinkt, verschärft sich das Problem weiter.
Betriebe finden zu wenige Bewerber. Und von denen, die sich melden, sind viele nicht ausreichend vorbereitet. Das kostet Zeit und Geld.
Bildung ist Wirtschaftspolitik
Die PISA-Ergebnisse sind ein klares Signal. Baden-Württemberg braucht Schulabgänger, die rechnen, lesen und schreiben können. Das klingt selbstverständlich. Es ist es offenbar nicht mehr. Die IHK hat die Forderung formuliert. Jetzt liegt der Ball bei der Politik.
