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Fünf Prozent mehr Lohn, Laufzeit zwölf Monate: Der IG Metall-Vorstand hat sein Forderungspaket für die anstehende Tarifrunde beschlossen. In Baden-Württemberg betrifft das fast eine Million Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Die Reaktionen fallen scharf aus. Arbeitgeber nennen die Forderung zu hoch, manche sprechen von völliger Unrealistik. Doch die Gegenfrage bleibt: Was würde ein Lohnverzicht tatsächlich bringen?
Eine Forderung, zwei Lager
Die IG Metall begründet ihre Forderung damit, dass Reallöhne gehalten werden sollen. Beschäftigte in wirtschaftlich starken Unternehmen sollen ein tarifliches Extra erhalten. Das Ziel: Kaufkraft stärken, Arbeitsplätze schützen.
Die Arbeitgeber sehen das anders. Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen, Arndt G. Kirchhoff, bezeichnete die Forderung in Düsseldorf als eindeutig zu hoch. Eine auch nur annähernde Umsetzung sei nicht vertretbar. Ähnliche Töne kommen aus Baden-Württemberg. Die Auftragslage in der Branche ist schwach. Viele Betriebe stehen unter Druck.
Wirtschaftlich sitzen beide Seiten im selben Boot. Eine Deindustrialisierung trifft Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen.
Die Lage in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg ist das Kernland der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Automobilzulieferer, Maschinenbauer und Elektronikunternehmen stecken mitten in einem strukturellen Wandel. Der Übergang zur Elektromobilität belastet viele Zulieferer. Der globale Wettbewerb hat sich verschärft. Gleichzeitig ist die Inflation nicht spurlos an den Haushalten vorbeigegangen.
Genau hier setzt die Gewerkschaft an. Wer real weniger verdient als vor zwei Jahren, konsumiert weniger. Wer weniger konsumiert, schwächt die Binnennachfrage. Das schadet am Ende auch den Unternehmen.
Was ein Lohnverzicht nicht leistet
Würde ein Lohnverzicht die Krise der Branche lindern? Die Antwort ist nüchtern. Lohnkosten sind ein Faktor unter vielen. Energiepreise, Bürokratie, fehlende Fachkräfte und internationale Konkurrenz belasten die Unternehmen stärker als ein Tarifabschluss im mittleren einstelligen Bereich.
Ein Nullabschluss würde Beschäftigte real schlechter stellen, die Kaufkraft senken und das Vertrauen in das Tarifsystem beschädigen.
Kämpferischer Realismus als Strategie
Die IG Metall selbst spricht von kämpferischem Realismus. Fünf Prozent sind eine Ausgangsforderung, kein Endziel. Tarifverhandlungen funktionieren so. Beide Seiten kennen das Spiel. Am Ende wird ein Kompromiss stehen.
Wo dieser Kompromiss liegt und ob er beiden Seiten Stabilität bringt, ist die eigentliche Frage. Für die Beschäftigten bedeutet das Kaufkrafterhalt, für die Unternehmen Planungssicherheit und Betriebsfrieden.
Differenzierung als Ansatz
Am Forderungspaket der IG Metall fällt der differenzierte Ansatz auf. Beschäftigte in wirtschaftlich starken Unternehmen sollen mehr bekommen als jene in Betrieben unter Druck. Das ist ein Zugeständnis an die Heterogenität der Branche. Nicht jedes Unternehmen in Baden-Württemberg kämpft ums Überleben. Manche schreiben schwarze Zahlen.
Diesen Unterschied anzuerkennen zeigt, dass die Gewerkschaft die wirtschaftliche Realität kennt, und dass pauschale Urteile über die Tarifrunde zu kurz greifen.
Fazit
Die Tarifrunde 2026 in der Metall- und Elektroindustrie wird kein einfacher Prozess. Die Ausgangspositionen liegen weit auseinander, die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Eine Alternative zum Verhandeln gibt es nicht. Weder Lohnverzicht noch maximale Forderungen lösen die strukturellen Probleme der Branche. Baden-Württemberg braucht einen Tarifabschluss, der Beschäftigte stabilisiert und Unternehmen nicht überfordert. Dafür braucht es Verhandlungsbereitschaft auf beiden Seiten.
