Baden-Württemberg trifft es härter als die meisten anderen Bundesländer. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Münchener Ifo-Instituts. Zusammen mit Niedersachsen und dem Saarland gehört der Südwesten zu den Regionen, die durch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump am stärksten belastet werden. Die exportorientierte Industrie im Land zahlt einen hohen Preis.
Drei Bundesländer unter besonderem Druck
Das Ifo-Institut hat untersucht, welche deutschen Bundesländer durch die neuen US-Zölle besonders stark betroffen sind. Das Ergebnis ist für Baden-Württemberg ernüchternd. Der Südwesten zählt neben Niedersachsen und dem Saarland zur Gruppe der am stärksten exponierten Regionen. Allen drei Ländern gemeinsam ist eine hohe Abhängigkeit von der Automobilindustrie und ihren Zulieferern.
Baden-Württemberg ist Standort von Daimler und Porsche. Zahlreiche mittelständische Zulieferer produzieren im Land für den amerikanischen Markt. Steigen die Einfuhrzölle in die USA, verteuern sich diese Produkte für amerikanische Käufer. Das belastet Absatz und Marge der heimischen Hersteller direkt.
Acht von zehn Unternehmen spüren Folgen
Die Zahlen aus einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer sind deutlich. 86 Prozent der Unternehmen in Baden-Württemberg geben an, negative Auswirkungen der US-Wirtschaftspolitik zu spüren. Dieser Wert liegt über dem deutschen Durchschnitt.
Die Befragung stammt aus dem Sommer 2025. Sie zeigt: Die Belastungen sind keine Zukunftssorge mehr. Sie sind bereits Realität in den Betrieben. Auftragseingänge gehen zurück. Investitionsentscheidungen werden verschoben. Lieferketten müssen neu bewertet werden.
Exportquote macht den Unterschied
Der Grund für die besondere Verwundbarkeit des Südwestens liegt in seiner Wirtschaftsstruktur. Baden-Württemberg gehört zu den exportstärksten Bundesländern. Ein großer Teil der industriellen Produktion geht ins Ausland, die USA sind dabei einer der wichtigsten Absatzmärkte.
Maschinenbau, Elektrotechnik und vor allem die Automobilbranche sind auf freien Marktzugang angewiesen. Zölle verteuern Produkte, schwächen die Wettbewerbsfähigkeit und bremsen das Wachstum.
Deutsche Wirtschaft schrumpft 2025
Die Lage ist eingebettet in eine gesamtdeutsche Schwäche. Prognosen gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft auch 2025 schrumpfen wird. Die US-Zölle sind dabei ein wesentlicher Faktor. Sie kommen zu einer Situation hinzu, die ohnehin durch hohe Energiekosten, schwache Nachfrage und strukturellen Wandel belastet ist.
Für Baden-Württemberg bedeutet das eine doppelte Last. Der Südwesten kämpft mit den allgemeinen Konjunkturproblemen und trägt gleichzeitig überproportionale Lasten aus der amerikanischen Handelspolitik.
Wann kommt die Wende?
Eine schnelle Erholung ist nicht absehbar. Solange keine Einigung zwischen der Europäischen Union und den USA erzielt wird, bleiben die Zölle ein dauerhaftes Handicap für die Exportwirtschaft. Verhandlungen laufen, ein konkretes Ergebnis fehlt bisher.
Der LBBW-Chefvolkswirt hatte bereits nach der Wiederwahl Trumps im November 2024 vor schwierigen Zeiten für die Südwest-Wirtschaft gewarnt. Diese Prognose hat sich bestätigt. Die Unternehmen im Land stehen vor der Aufgabe, ihre Abhängigkeit vom US-Markt langfristig zu überdenken.
Strukturelle Stärke wird zur Schwäche
Was Baden-Württemberg jahrzehntelang stark gemacht hat, wird in der aktuellen Lage zum Risiko. Die hohe Exportorientierung, die Abhängigkeit von der Automobilindustrie und die engen Handelsbeziehungen mit den USA treffen den Südwesten besonders hart. Die Unternehmen müssen neue Märkte erschließen, Produktionsstrukturen anpassen und Risiken streuen. Das braucht Zeit und Kapital. Beides ist knapp.
