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Das Hochspannungsnetz im Ortenaukreis ist ausgelastet. Neue Großanschlüsse, etwa für Rechenzentren oder Batteriespeicher, sind derzeit nicht möglich. Netze BW, der vorgelagerte Netzbetreiber, reagiert mit einer konkreten Maßnahme: Hochtemperaturseile sollen im Raum Offenburg zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Engpass bremst Wirtschaft und Energiewende
Der Landkreis Ortenau in Mittelbaden gehört zu den wirtschaftsstarken Regionen Baden-Württembergs. Genau dort fehlt es im Hochspannungsnetz an Kapazität. Unternehmen, die ihren Stromanschluss ausbauen wollen, stoßen auf eine harte Grenze. Das betrifft Industriebetriebe ebenso wie neue Technologieprojekte.
Netze BW hat den Engpass offiziell anerkannt. Eine eigens eingerichtete Taskforce soll den Netzausbau in der Region koordinieren. Das ist ein ungewöhnlicher Schritt für den Betreiber.
Hochtemperaturseile als erste Antwort
Die erste konkrete Maßnahme ist technischer Natur. Hochtemperaturseile können bei gleicher Leitungsführung deutlich mehr Strom transportieren als herkömmliche Freileitungen. Sie erwärmen sich weniger stark und halten höheren Lasten stand. Im Raum Offenburg soll diese Technologie eingesetzt werden, um den bestehenden Engpass zu verringern.
Der Zeitplan ist nicht kurz: Die neuen Seile sollen im vierten Quartal 2030 in Betrieb gehen. Bis dahin bleibt die Kapazität im Hochspannungsnetz begrenzt. Neue Großanschlüsse werden vorerst nicht genehmigt.
Wartezeit als wirtschaftliches Risiko
Vier Jahre sind für Unternehmen eine lange Zeit. Wer heute einen Netzanschluss mit hohem Leistungsbedarf beantragt, muss warten oder auf andere Lösungen ausweichen. Das kann Investitionsentscheidungen verzögern oder verhindern. Für eine Region, die sich als Industriestandort behaupten will, ist das ein ernstes Signal.
Auf Bundesebene diskutieren Politik und Verbände seit Monaten über flexible Netzanschlussvereinbarungen. Das sogenannte Netzpaket 2026 sieht unter anderem vor, dass Unternehmen Anschlüsse ab 135 Kilowatt reservieren können. Priorisierung soll das bisherige Windhundprinzip ersetzen. Ob und wie diese Regeln im Ortenaukreis greifen, hängt von der konkreten Umsetzung ab.
Netzausbau braucht schnellere Verfahren
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hat Vorschläge zur Beschleunigung von Netzausbauverfahren vorgelegt. Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz und im Infrastruktur-Zukunftsgesetz könnten Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen. Im Fokus stehen die Modernisierung bestehender Netze und vereinfachte Genehmigungsprozesse.
Das Beispiel Ortenaukreis zeigt, warum solche Reformen nötig sind. Hochtemperaturseile sind eine sinnvolle technische Lösung. Doch wenn der Einbau Jahre dauert, hilft das Unternehmen kurzfristig wenig. Schnellere Verfahren wären mindestens so wichtig wie neue Technik.
Richtiger Schritt, aber zu langsam
Netze BW handelt. Die Entscheidung für Hochtemperaturseile im Raum Offenburg ist die richtige Maßnahme für einen realen Engpass. Dass eine Taskforce den Prozess koordiniert, ist ein weiteres Zeichen dafür. Doch 2030 liegt weit entfernt. Für Unternehmen im Ortenaukreis, die jetzt investieren wollen, bringt das keine kurzfristige Entlastung. Der Netzausbau in Baden-Württemberg braucht neue Technologie und mehr Tempo.
