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Der Friseur schneidet Haare. Der Elektriker verlegt Kabel. Der Maurer mauert Wände. Kein Algorithmus übernimmt diese Aufgaben morgen. Trotzdem fehlen dem deutschen Handwerk tausende Auszubildende. Zum Ausbildungsstart im Herbst 2026 blicken viele Betriebe in Baden-Württemberg mit Sorge auf ihre offenen Lehrstellen.
Zu viele Stellen, zu wenige Bewerber
Der Fachkräftemangel im Handwerk ist kein neues Problem. Er verschärft sich jedoch von Jahr zu Jahr. Viele Schulabgänger zieht es in Richtung Studium oder kaufmännische Berufe. Betriebe in Branchen wie Sanitär, Elektro oder Friseurhandwerk melden regelmäßig unbesetzte Ausbildungsplätze.
In Baden-Württemberg ist die Situation besonders spürbar. Das Bundesland gehört zu den wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands, der Bedarf an Handwerkern ist entsprechend hoch. Gleichzeitig konkurriert das Handwerk mit der starken Industrie und dem Dienstleistungssektor um Nachwuchs.
KI als Hoffnung: ein Irrtum
Manche Unternehmen setzen auf Künstliche Intelligenz, um Personalengpässe zu überbrücken. Im Handwerk stößt diese Hoffnung schnell an Grenzen. Wer ein Dach deckt, braucht Handgeschick. Wer Zähne behandelt oder Haare schneidet, braucht Feingefühl und direkten Kontakt zum Menschen.
KI kann Prozesse unterstützen, etwa bei der Terminplanung oder Lagerverwaltung. Den eigentlichen Handwerksberuf ersetzt sie nicht. Das unterscheidet das Handwerk grundlegend von anderen Branchen, in denen Automatisierung deutlich weiter vorangeschritten ist.
Digitalisierung als Ergänzung, nicht als Ersatz
Moderne Werkzeuge und digitale Hilfsmittel halten auch im Handwerk Einzug. Elektriker arbeiten mit digitalen Messgeräten, Schreiner nutzen CNC-gesteuerte Fräsen. Das erleichtert die Arbeit, macht den Handwerker aber nicht überflüssig. Es braucht qualifizierte Fachleute, die diese Technik bedienen können.
Wer eine Handwerksausbildung absolviert, lernt heute auch den Umgang mit modernen Technologien. Das macht den Beruf attraktiver als sein Ruf vermuten lässt.
Was Betriebe tun können
Viele Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg reagieren auf den Nachwuchsmangel mit konkreten Maßnahmen: Sie werben an Schulen, bieten Praktika an und erhöhen die Ausbildungsvergütungen. Einige Betriebe kooperieren mit Berufsschulen, um Jugendliche früh anzusprechen.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks empfiehlt, das Image der Berufe aktiver zu kommunizieren. Handwerk bietet sichere Arbeitsplätze, gute Verdienstmöglichkeiten und klare Karrierewege bis hin zum Meister oder zur Selbstständigkeit. Diese Botschaft kommt bei Jugendlichen noch zu selten an.
Frauen im Handwerk: ein unterschätztes Potenzial
Viele Handwerksberufe gelten immer noch als Männerdomäne. Das stimmt so nicht mehr. Frauen arbeiten erfolgreich als Elektronikerinnen, Tischlerinnen oder Kfz-Mechatronikerinnen. Betriebe, die gezielt weibliche Auszubildende ansprechen, erschließen sich ein größeres Bewerberpotenzial.
Fazit: Handwerk braucht Menschen, keine Maschinen
Der Fachkräftemangel im Handwerk lässt sich nicht technisch lösen. Er erfordert mehr Auszubildende. Das Handwerk in Baden-Württemberg muss attraktiver werden: in der Wahrnehmung, in der Vergütung und in den Entwicklungsperspektiven. KI kann dabei helfen, bestimmte Abläufe zu optimieren. Haare schneiden, Rohre verlegen oder Häuser bauen wird sie so bald nicht übernehmen.
