Seit dem 13. Mai 2026 heißt das Wirtschaftsministerium in Baden-Württemberg offiziell „Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus“. Die Umbenennung ist ein klares politisches Signal. Das Handwerk erhält damit erstmals einen festen Platz im Namen des Ministeriums.
Ein Name, eine Botschaft
Bisher lautete die offizielle Bezeichnung „Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus“. Der Begriff „Arbeit“ fällt nun weg. Stattdessen steht „Handwerk“ im Titel. Das ist keine kosmetische Änderung. Es ist eine bewusste politische Entscheidung der neuen Landesregierung.
Thomas Dörflinger, handwerkspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, hatte das Handwerk zuletzt als den Stoff bezeichnet, aus dem Baden-Württemberg gemacht ist: Tatkraft, Fleiß und Erfindergeist. Die Umbenennung des Ministeriums passt zu dieser Haltung.
Die symbolische Dimension ist nicht zu unterschätzen. In der Landespolitik signalisiert ein Ministeriumsname Prioritäten. Das Handwerk steht nun auf Augenhöhe mit dem Tourismus, einem der wichtigsten Wirtschaftszweige im Land.
Handwerk unter Druck
Die Umbenennung kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt für das Handwerk im Land. Rund ein Viertel aller Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg bewertet die aktuelle wirtschaftliche Lage als schlecht. Die Stimmung ist gedrückt.
Hinzu kommt das strukturelle Problem des Nachwuchsmangels. Das Handwerk in Baden-Württemberg erwartet einen anhaltenden Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Die demografische Entwicklung verstärkt diesen Trend. Betriebe finden keine Auszubildenden, Meister gehen in Rente, Nachfolger fehlen.
Der Landtag hat das Thema zuletzt in einer eigens beantragten Debatte behandelt. In der Drucksache 17/8027 vom Dezember 2024 heißt es ausdrücklich: Das Handwerk ist ein zentraler Pfeiler der Wirtschaft und Gesellschaft in Baden-Württemberg. Es sichere Arbeitsplätze und biete jungen Menschen Perspektiven.
Förderung und Initiative „Horizont Handwerk“
Das Land hat in den vergangenen Jahren verschiedene Instrumente aufgebaut, um das Handwerk zu stützen. Die L-Bank stellt Kredite, Zuschüsse und Bürgschaften bereit. Das Wirtschaftsministerium bietet ergänzend Beratungsleistungen an.
Unter dem früheren Ministeriumsnamen wurde zudem die Initiative „Horizont Handwerk“ aufgelegt. Ein Evaluationsbericht vom Februar 2025 analysierte die Wirkung dieser Maßnahme. Das Programm zielte darauf ab, Handwerksbetriebe bei Digitalisierung und Fachkräftegewinnung zu unterstützen.
Der Interessenverband HANDWERK BW setzt sich auf landespolitischer Ebene für eine handwerksgerechte Mittelstandspolitik ein. Dabei geht es um Regelungen, die Betriebe nicht unnötig belasten. Die direkte Verankerung im Ministeriumstitel könnte den politischen Zugang für den Verband erleichtern.
Wahlrelevanz nicht zu unterschätzen
Das Handwerk hat in Baden-Württemberg politisches Gewicht. Ein relevanter Anteil der Wahlberechtigten im Land ist Handwerker oder gehört einem Handwerkshaushalt an. Diese Gruppe hat klare Erwartungen an die Politik.
Die Umbenennung des Ministeriums ist auch vor diesem Hintergrund zu verstehen. Sie sendet ein Signal an eine Wählergruppe, die wirtschaftliche Stabilität, faire Rahmenbedingungen und politische Anerkennung erwartet.
Fazit
Die Umbenennung des Wirtschaftsministeriums ist mehr als Symbolpolitik. Sie zeigt, dass die Landesregierung das Handwerk als eigenständigen Wirtschaftsbereich ernst nimmt. Ob daraus konkrete politische Maßnahmen folgen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Herausforderungen sind bekannt: schlechte Stimmung in den Betrieben, fehlender Nachwuchs, steigender Kostendruck. Der neue Name allein löst diese Probleme nicht. Er schafft aber zumindest die politische Sichtbarkeit, die das Handwerk braucht.
