Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Das Handwerk in Baden-Württemberg zieht wieder mehr Nachwuchs an. Zum Ausbildungsstart 2025 stieg die Zahl neuer Lehrverträge um 0,8 Prozent. Handwerkspräsident Rainer Reichhold wertet das als ermutigendes Signal. Gelöst ist das Nachwuchsproblem damit aber nicht.
Zuwachs gegen den Gesamttrend
Während viele Industriebranchen in der Krise stecken, meldet das Handwerk zum vierten Mal in Folge steigende Ausbildungszahlen. In der Gesamtwirtschaft sieht die Lage deutlich schlechter aus.
Bundesweit arbeiten rund sechs Millionen Menschen im Handwerk. Rund 346.000 junge Menschen absolvieren dort eine Ausbildung. Das entspricht 28,7 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland.
In der Region Heilbronn-Franken fiel das Plus besonders deutlich aus. Die dortige Handwerkskammer registrierte zum Jahresende 2025 insgesamt 1.667 neue Ausbildungsverträge. Das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr.
Welche Berufe legen zu
Nicht alle Gewerke profitieren gleichermaßen. Zuwächse verzeichneten vor allem Kraftfahrzeugmechatroniker, mehrere Bauberufe sowie Berufe im Nahrungsmittelhandwerk und im Fachverkauf.
Ein möglicher Faktor ist die Debatte um Künstliche Intelligenz. Viele Jugendliche sehen handwerkliche Berufe als krisensicher an. Jobs, bei denen Handarbeit, räumliches Denken und praktisches Geschick gefragt sind, lassen sich nicht so leicht automatisieren. Das spielt bei der Berufswahl eine Rolle.
Angebot weit größer als Nachfrage
Trotz des Zuwachses bleibt eine erhebliche Lücke. Das Handwerk in Baden-Württemberg hätte zum Ausbildungsstart 2025 rund 22.000 junge Menschen aufnehmen können. Die tatsächliche Nachfrage blieb deutlich darunter, die Lücke hat sich nur geringfügig verkleinert.
Reichhold mahnte deshalb: Die Fachkräftesicherung bleibt eine der zentralen Herausforderungen für das Handwerk. Gut gemeinte Trendwenden reichen nicht aus, solange tausende Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.
Strukturelles Problem bleibt bestehen
Das Handwerk konkurriert weiterhin mit Hochschulen und dualen Studiengängen um denselben Bewerberkreis. Viele Schulabgänger entscheiden sich für akademische Wege. Die gesellschaftliche Wertschätzung für handwerkliche Berufe hat zwar zugelegt, reicht aber noch nicht aus, um den Bedarf zu decken.
Hinzu kommt der demografische Druck. Die Zahl der Schulabgänger in Baden-Württemberg stagniert. Das Handwerk muss deshalb aktiver um Bewerber werben, auch im Ausland und bei bisher weniger erschlossenen Zielgruppen.
Fazit
Das leichte Plus bei den Ausbildungsverträgen zeigt, dass das Handwerk als Arbeitgeber an Attraktivität gewonnen hat. Doch der Abstand zwischen verfügbaren Plätzen und tatsächlichen Bewerbern bleibt groß. Solange rund 22.000 Plätze angeboten werden und ein erheblicher Teil davon leer bleibt, ist das strukturelle Problem nicht gelöst. Für die Betriebe in Baden-Württemberg bedeutet das: Der Fachkräftemangel bleibt auf absehbare Zeit ein zentrales Thema.
