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28.000 Handwerksbetriebe, eine Frist von fünf Jahren, ein neues digitales Werkzeug: Seit dem 1. Juli 2026 ist in Baden-Württemberg die Unternehmensbörse Handwerk in Betrieb. Die acht Handwerkskammern des Landes haben die Plattform gemeinsam gestartet. Ziel ist es, Betriebsinhaber und Nachfolgeinteressierte schneller und gezielter zusammenzubringen.
Zahlen zum Generationenwechsel
Die Ausgangslage ist ernst. Eine Sonderumfrage der acht Handwerkskammern und des Dachverbands Handwerk BW zeigt: Rund 28.000 Betriebe in Baden-Württemberg brauchen bis 2031 eine Nachfolgelösung. Gelingt die Übergabe nicht, droht die Schließung. Allein im Kammerbezirk Freiburg, der Südbaden abdeckt, sind rund 5.000 Betriebe betroffen.
Im Bezirk der Handwerkskammer Freiburg haben 28 Prozent der befragten Betriebsinhaber angegeben, in den nächsten fünf Jahren eine Nachfolge zu regeln. Das entspricht einem erheblichen Anteil der regionalen Handwerksstruktur. Viele dieser Betriebe sind über Jahrzehnte gewachsen und haben Kundenstämme, Mitarbeiter und Knowhow aufgebaut.
Plattform bringt Angebot und Nachfrage zusammen
Die neue Unternehmensbörse ist eine digitale Matchmaking-Plattform. Betriebsinhaber, die ihre Unternehmen abgeben wollen, können dort Inserate schalten. Gründungsinteressierte und Nachfolger können gezielt suchen. Die Kammern begleiten den Prozess fachlich.
Der Ansatz ist nicht neu, aber die landesweite Koordination ist es. Bisher gab es verschiedene regionale Angebote. Nun bündeln alle acht Kammern ihre Kapazitäten auf einer gemeinsamen Plattform. Das soll die Reichweite erhöhen und den Aufwand für beide Seiten reduzieren.
Warum Nachfolge so schwierig ist
Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger ist oft langwierig. Viele Inhaber unterschätzen den Zeitbedarf. Die Handwerkskammern empfehlen, den Prozess fünf bis zehn Jahre vor dem geplanten Rückzug zu beginnen. In der Praxis starten viele zu spät.
Hinzu kommen strukturelle Hürden. Handwerksbetriebe erfordern häufig einen Meistertitel oder eine vergleichbare Qualifikation. Das schränkt den Kreis potenzieller Käufer ein. Bewertung und Finanzierung eines Betriebs sind komplex. Ohne fachliche Begleitung scheitern viele Übergaben noch vor dem Vertragsabschluss.
Wirtschaftliche Bedeutung für die Region
Das Handwerk ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Baden-Württemberg. Die Branche beschäftigt Hunderttausende Menschen im Land. Betriebe aus dem Bereich Bau, Elektro, Sanitär oder Kfz sind Teil der lokalen Infrastruktur. Schließen sie, fehlen Kapazitäten, die sich kurzfristig kaum ersetzen lassen.
Gerade in ländlichen Regionen wie dem Schwarzwald oder dem Bodenseekreis ist das Handwerk oft der einzige lokale Anbieter bestimmter Dienstleistungen. Ein Betrieb, der schließt, hinterlässt eine Lücke, die für Privatkunden und kommunale Auftraggeber spürbar ist.
Kammern setzen auf frühzeitige Beratung
Die Unternehmensbörse ist nur ein Baustein. Die Kammern bieten parallel Beratungsleistungen an, darunter Bewertungshilfen, rechtliche Orientierung und Gespräche zur Nachfolgeplanung. Dieser Service richtet sich an Übergeber und Übernehmer.
Die Handwerkskammer Freiburg hat in diesem Bereich bereits Erfahrung gesammelt. Die neue Plattform soll diesen Beratungsansatz digital unterstützen und skalierbar machen.
Fazit
Der Start der Unternehmensbörse Handwerk ist ein konkreter Schritt gegen ein strukturelles Problem. 28.000 Betriebe in Baden-Württemberg stehen vor dem Generationenwechsel. Ob die Plattform ausreicht, hängt davon ab, wie viele Inhaber sie frühzeitig nutzen. Fünf Jahre vergehen schnell, wenn der Nachfolger noch nicht in Sicht ist.
