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In Ostwürttemberg wollen so viele Menschen ein Unternehmen gründen wie seit elf Jahren nicht mehr. Das geht aus dem aktuellen DIHK-Report Unternehmensgründung 2026 hervor. Die IHK Ostwürttemberg registriert einen deutlichen Anstieg bei Anfragen und Beratungsgesprächen rund um den Schritt in die Selbstständigkeit.
Mehr als 30.000 Betriebe im Kammerbezirk
Der IHK-Bezirk Ostwürttemberg zählt inzwischen mehr als 30.000 Mitgliedsunternehmen. Das sind rund 5.000 mehr als noch 2008. Die Kammer wertet das als Zeichen wirtschaftlicher Stärke und Vielfalt in der Region.
Bundesweit basiert die DIHK-Auswertung auf rund 200.000 Kontakten im IHK-Gründungsservice. Fast 800 angehende Unternehmerinnen und Unternehmer haben an der Befragung teilgenommen. Das Ergebnis ist eindeutig: Das Gründungsinteresse steigt.
Im ersten Halbjahr 2026 gingen deutschlandweit 69.600 Unternehmen an den Start. Dabei handelt es sich um Betriebe mit einer Rechtsform und Beschäftigtenzahl, die auf wirtschaftliche Substanz hindeuten.
Jobangst als Antrieb
Ein wesentlicher Treiber ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Viele Menschen informieren sich über eine Selbstständigkeit, weil sie ihren bisherigen Arbeitsplatz verloren haben oder einen Verlust befürchten. Das Gründungsinteresse in industrienahen Branchen ist dabei besonders ausgeprägt.
Gerade in Ostwürttemberg, wo die Industrie stark vertreten ist, schlägt dieser Trend durch. Die Region rund um Heidenheim und Aalen ist traditionell industriell geprägt. Stellenabbau bei größeren Arbeitgebern dürfte viele dazu bewegen, sich nach Alternativen umzusehen.
Baden-Württemberg liegt beim Gründungsinteresse bundesweit weit vorne. Allerdings gilt laut DIHK-Report: Wer aus wirtschaftlicher Not gründet, braucht besonders sorgfältige Vorbereitung. Selbstständigkeit darf keine bloße Notlösung sein.
Künstliche Intelligenz und Digitalisierung als Chancen
Neben der Jobangst treiben neue Technologien das Interesse an. Viele Gründungsinteressierte wollen gezielt Marktchancen bei Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und sicherheitsrelevanten Technologien nutzen. Das zeigt der DIHK-Report.
Wer gründet, tut das oft mit einem konkreten Ziel vor Augen – entweder aus Notwendigkeit oder mit Blick auf neue Marktchancen.
Nebenjobs als Vorstufe zur Selbstständigkeit
Die Zahl der Nebenjobs hat sich in Ostwürttemberg seit 2005 um 125 Prozent erhöht. Im Landkreis Heidenheim liegt der Anstieg bei 107 Prozent. Derzeit kommen dort 122,5 Nebenjobs auf je 1.000 Beschäftigte.
Viele dieser Nebentätigkeiten sind der erste Schritt in die Selbstständigkeit. Sie testen Geschäftsideen und sichern das Einkommen vor einer vollständigen Gründung ab.
IHK baut Beratungskapazitäten aus
Die IHK Ostwürttemberg reagiert auf den Andrang. In Heidenheim entsteht derzeit ein Erweiterungsbau der Kammer. Mehr Platz bedeutet mehr Kapazität für Beratungsleistungen, die gerade stark nachgefragt sind.
Die Kammer betont: Gründungsinteresse allein reicht nicht. Wer sich selbstständig macht, braucht solide Planung und professionelle Begleitung. Beratungsangebote sollen genau das sicherstellen.
Fazit
Ostwürttemberg erlebt eine Gründungswelle. Arbeitsmarktdruck, neue Technologien und gewachsene Risikobereitschaft treiben mehr Menschen als seit elf Jahren in die Selbstständigkeit. Mit über 30.000 Mitgliedsunternehmen zeigt der IHK-Bezirk, dass die Region unternehmerisch aktiv ist. Wie viele der neuen Betriebe sich langfristig am Markt behaupten, wird zeigen, ob der Trend anhält.
