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Schnellere Unternehmensgründungen, weniger Bürokratie, mehr Wagniskapital: Die Start-up-Szene in Baden-Württemberg wartet auf konkrete Schritte. Verbände bewerten den neuen Koalitionsvertrag von CDU und Grünen im Land grundsätzlich positiv. Doch die Geduld der Gründergemeinschaft hat Grenzen.
Lob mit klarem Vorbehalt
Der Start-up-Verband erkennt an, dass die Politik das Thema Gründungen ernst nimmt. Signale wie die bundesweit beschlossene Start-up- und Scale-up-Strategie seien ein Schritt in die richtige Richtung. Doch Strategiepapiere allein verändern nichts. Verbandsgeschäftsführer Christoph Stresing bringt es auf den Punkt: Solche Signale reichen nicht aus. Jetzt müsse die ambitionierte Umsetzung folgen.
Auch auf Landesebene in Baden-Württemberg gilt dieses Prinzip. Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg sieht im Koalitionsvertrag eine Grundlage für weiteren Fortschritt, fordert aber konsequentes Handeln der künftigen Landesregierung. Worte müssen in Taten übersetzt werden.
Gründungen in 48 Stunden: Anspruch und Wirklichkeit
Das Ziel, eine Firma in nur 48 Stunden zu gründen, klingt ambitioniert. In anderen europäischen Ländern ist es längst Realität. Portugal, Estland und Dänemark zeigen, wie digitale Verwaltung und schlanke Prozesse funktionieren können. Deutschland hinkt hier deutlich hinterher.
Baden-Württemberg hat gute Voraussetzungen: starke Hochschulen, eine dichte Unternehmenslandschaft und gut ausgebildete Fachkräfte. Doch der Weg vom Gründungsgedanken bis zur eingetragenen Gesellschaft dauert oft Wochen. Das schreckt ab.
IHK Ostwürttemberg: Mehr Gründungen, aber kein Selbstläufer
Die IHK Ostwürttemberg meldet mehr Gründungsinteresse in der Region. Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler nennt das eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort. Er warnt aber gleichzeitig: Viele Gründungen entstehen aus der Not heraus. Wer keine andere Beschäftigung findet, wählt die Selbstständigkeit als Ausweg. Das ist kein Zeichen gesunder Gründerkultur, sondern ein Warnsignal.
Echtes unternehmerisches Gründen braucht andere Rahmenbedingungen: Zugang zu Kapital, verlässliche Beratung und Verwaltungsstrukturen, die Gründer unterstützen statt bremsen.
Wagniskapital bleibt der Engpass
Ein zentrales Problem bleibt der Zugang zu Wagniskapital. Start-ups in der Frühphase finden in Deutschland schwerer Investoren als ihre Konkurrenten in anderen europäischen Ländern. Das gilt auch für Baden-Württemberg.
Der Start-up-Verband drängt die Bundesregierung, hier schnell nachzubessern. Institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds sollen leichter in Wagniskapitalfonds investieren können. Das ist eine alte Forderung, umgesetzt ist sie bislang nicht.
Süddeutsche Wirtschaft erhöht den Druck
Vor der jüngsten Kabinettsklausur der Bundesregierung haben Wirtschaftsverbände und Konzerne aus Süddeutschland den Reformdruck erhöht. Sie fordern rasche Entscheidungen, nicht weitere Ankündigungen. Die Botschaft aus der Region: Der Standort braucht Tempo.
Baden-Württemberg ist als Exportland und Industriestandort auf Innovation angewiesen. Ohne eine lebendige Start-up-Szene fehlen mittelfristig die Impulse für neue Produkte und Geschäftsmodelle. Das trifft den Mittelstand genauso wie die großen Konzerne.
Jetzt handeln, nicht vertagen
Die politischen Bekenntnisse zur Start-up-Förderung sind da. Der Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg setzt Ziele, die Bundesstrategie für Start-ups und Scale-ups liegt vor. Was fehlt, ist die Umsetzung. Die Gründerszene in Baden-Württemberg hat keine Geduld mehr für weitere Verzögerungen. Wer den Standort stärken will, muss jetzt liefern.
