Das Handwerk gilt als tragende Säule der Wirtschaft in Baden-Württemberg. Die Grünen-Fraktion im Landtag hat das Thema fest auf ihrer politischen Agenda. Mit konkreten Maßnahmen will die Koalition aus Grünen und CDU den Sektor fit für kommende Jahre machen.
Positionspapier aus Heidenheim als Grundlage
Den Ausgangspunkt der aktuellen Debatte bildet ein Positionspapier der Grünen-Fraktion. Die Abgeordneten beschlossen es auf ihrer Klausurtagung in Heidenheim. Seitdem dient es als politischer Fahrplan für die Handwerkspolitik im Land.
Abgeordnete Clara Resch formuliert das Ziel klar: Es gibt bereits funktionierende Instrumente. Was fehlt, sind bessere Daten und eine systematischere Steuerung. Das Handwerk bilde das Rückgrat der Wirtschaft im Südwesten.
Die Koalition aus Grünen und CDU bekennt sich ausdrücklich dazu, den Mittelstand und das Handwerk zu stärken. Das geht aus Berichten des Staatsanzeigers BW hervor. Technologieoffenheit soll dabei ein Leitprinzip sein.
Günstigere Meisterkurse, mehr Nachwuchs
Ein zentrales Vorhaben: Die Kosten für Meisterkurse sollen sinken. Viele junge Menschen scheuen den Schritt zum Meistertitel wegen der hohen finanziellen Belastung. Günstigere Kurse sollen diese Hürde senken.
Gleichzeitig will die Fraktion junge Menschen früher für Handwerksberufe begeistern. Berufsorientierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Fraktionschef Andreas Schwarz kündigte Gespräche mit dem Kultusministerium an. Ziel ist es, das Handwerk im neuen Schulfach Wirtschaft stärker zu verankern.
Ergänzend dazu steht eine Prämie für die Gründung oder Übernahme von Handwerksbetrieben im Raum. Betriebsnachfolge ist eines der drängendsten Probleme im Handwerk. Viele Inhaber finden keinen geeigneten Nachfolger.
Investitionen in Ausbildung und Innovation
Neben der Nachwuchsgewinnung setzt die Landesregierung auf gezielte Investitionen. Im November 2025 bekräftigte die Grünen-Fraktion ihren Kurs. Baden-Württemberg sei auf die Fähigkeiten seiner Handwerkerinnen und Handwerker angewiesen.
Die Investitionen sollen drei Bereiche abdecken: Ausbildung, Innovation und Zukunftsfähigkeit. Konkrete Summen für das Handwerk nannte die Fraktion dabei nicht gesondert. Im allgemeinen Haushaltszusammenhang sind 500 Millionen Euro für kommunale Strukturen vorgesehen.
Verbindung von Klimaschutz und Handwerk
Die Grünen sehen das Handwerk auch als Partner beim Klimaschutz. Energetische Sanierung, Wärmepumpen, Photovoltaik: All das erfordert Fachkräfte aus dem Handwerk. Abgeordnete Resch betont, sie stehe für Politik, die Klimaschutz und Wirtschaft verbinde.
Damit positionieren sich die Grünen bewusst gegen eine Erzählung, die Klimapolitik und Handwerk als Gegensätze darstellt. Für sie ist das Handwerk ein Schlüsselspieler beim ökologischen Umbau der Wirtschaft.
Mehr Daten, bessere Steuerung gefordert
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Datenlage. Clara Resch fordert mehr systematische Informationen über das Handwerk im Land. Nur wer den Sektor genau kenne, könne ihn gezielt fördern.
Bestehende Instrumente funktionieren nach Einschätzung der Fraktion bereits gut. Doch ohne solide Datenbasis fehlt die Grundlage für wirksame politische Entscheidungen. Hier sieht die Fraktion konkreten Nachholbedarf.
Fazit
Die Grünen-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg hat das Handwerk als politisches Schwerpunktthema etabliert. Die Maßnahmen reichen von günstigeren Meisterkursen über bessere Berufsorientierung bis hin zu Investitionen in Ausbildung und Innovation. Der politische Wille in der grün-schwarzen Koalition ist erkennbar. Ob die Maßnahmen ausreichen, um dem Fachkräftemangel und den Herausforderungen der Betriebsnachfolge wirksam zu begegnen, wird die Praxis zeigen.
