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Am Wasserkraftwerk in Grenzach-Wyhlen haben EnBW und naturenergie hochrhein eine neue Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff eingeweiht. Die Anlage leistet fünf Megawatt und ergänzt eine bestehende Ein-Megawatt-Anlage auf demselben Gelände. Damit steigt die Gesamtkapazität des Reallabors H₂-Wyhlen auf sechs Megawatt.
Wasserkraft als Basis für die Produktion
Der Standort Grenzach-Wyhlen ist kein zufälliger. Das direkt angrenzende Wasserkraftwerk liefert erneuerbaren Strom, der Elektrolyseure antreibt. Diese spalten Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff auf. Das Ergebnis ist grüner Wasserstoff: ohne Verbrennung von Erdgas, ohne nennenswerte CO₂-Emissionen im Betrieb.
Das Produktionsprinzip ist technisch erprobt. Neu ist die Größenordnung. Die Fünf-Megawatt-Erweiterung ist ein deutlicher Schritt gegenüber der ersten Anlage und zeigt, dass das Reallabor über den reinen Versuchsbetrieb hinauswächst.
Reallabor als Forschungs- und Praxisprojekt
Zwei Unternehmen, ein gemeinsames Projekt
Hinter dem Projekt stehen zwei der größten Energieunternehmen Baden-Württembergs. EnBW ist einer der größten deutschen Energieversorger. naturenergie hochrhein ist ein regionaler Anbieter mit Sitz in Grenzach-Wyhlen. Beide betreiben das Reallabor H₂-Wyhlen gemeinsam auf dem Energiecampus-Areal.
Zwischen Forschung und Markt
Ein Reallabor testet Technologien unter realen Marktbedingungen. Ziel ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die sich auf größere Projekte übertragen lassen. Der Standort Wyhlen liefert Daten zu Produktion, Effizienz und Netzintegration – Informationen, die für die weitere Entwicklung des Wasserstoffmarkts relevant sind.
Land fördert regionale Wasserstoffproduktion
Das Land Baden-Württemberg investiert gezielt in solche Projekte. Im Rahmen des Förderprogramms ELY stellt das Land mehr als 100 Millionen Euro für die regionale Erzeugung von grünem Wasserstoff bereit. Ziel ist der Ausbau von Elektrolyseuren und die Sicherung der regionalen Versorgung.
Das Reallabor in Grenzach-Wyhlen fügt sich in diese Strategie ein. Es verbindet regionalen Ökostrom mit lokaler Wasserstoffproduktion und soll eine Abhängigkeit von importiertem Wasserstoff vermeiden.
Grüner Wasserstoff: Potenzial und Hürden
Grüner Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung der Industrie. Er kann Prozesse ersetzen, die sich nicht direkt elektrifizieren lassen, etwa in der Stahlproduktion oder der Chemieindustrie. Als Energiespeicher ist er ebenfalls relevant.
Die Technologie ist jedoch kostenintensiv. Grüner Wasserstoff ist teurer als grauer Wasserstoff, der aus Erdgas gewonnen wird und dabei erhebliche Mengen CO₂ freisetzt. Der wirtschaftliche Hochlauf des grünen Wasserstoffs ist daher noch nicht abgeschlossen. Europa und Deutschland haben ambitionierte Produktionsziele formuliert, doch die Lücke zwischen diesen Zielen und tatsächlich finanzierten Großprojekten ist noch groß.
Projekte wie in Grenzach-Wyhlen liefern Praxiserfahrung und zeigen, was unter realen Bedingungen funktioniert. Das ist für die Weiterentwicklung der Technologie und der Wirtschaftlichkeitsmodelle notwendig.
Fazit
Mit der Erweiterung auf sechs Megawatt Gesamtleistung treiben EnBW und naturenergie ein Projekt voran, das Forschung und Praxis verbindet. Baden-Württemberg positioniert sich mit solchen Vorhaben und dem Förderprogramm ELY als Standort für grüne Wasserstoffproduktion. Ob der Hochlauf gelingt, hängt letztlich von Kostensenkungen und verlässlichen Abnahmemärkten ab.
