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Das Gesundheitshandwerk kämpft mit einem massiven Personalmangel. Laut einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft konnten 2025 im Schnitt 4.389 von 7.267 offenen Stellen nicht besetzt werden. Das entspricht einer Besetzungsquote von weniger als 40 Prozent.
Vier Berufe besonders betroffen
Die Studie benennt vier Berufsfelder mit besonders akutem Engpass: Augenoptiker, Hörakustiker, Orthopädietechniker und Zahntechniker. In all diesen Bereichen übersteigt die Nachfrage nach Fachpersonal das vorhandene Angebot deutlich. Betriebe melden offene Stellen, finden aber keine geeigneten Bewerber.
Das hat direkte Folgen für Patienten und Kunden. Wer ein Hörgerät benötigt oder eine neue Brille braucht, muss vielerorts länger warten. Die Versorgung ist regional eingeschränkt. Vor allem in ländlichen Gebieten spitzt sich die Lage zu.
Demografischer Wandel verschärft das Problem
Der Fachkräftemangel im Gesundheitshandwerk trifft Baden-Württemberg wie den Rest der Republik. Der demografische Wandel trägt dazu bei. Ältere Fachkräfte scheiden aus dem Berufsleben aus, während die Zahl älterer Menschen wächst, die auf Hörgeräte, Brillen oder orthopädische Hilfsmittel angewiesen sind.
Der Bedarf an gut ausgebildetem Personal steigt damit strukturell. Gleichzeitig bilden Betriebe weniger Nachwuchs aus als nötig wäre. Viele Jugendliche kennen diese Berufe schlicht nicht gut genug, um sich gezielt dafür zu entscheiden.
Ausbildung als Schlüssel
Die duale Ausbildung gilt als wichtigster Hebel. Wer jetzt in Ausbildungskapazitäten investiert, sichert sich mittelfristig Fachkräfte. Doch der Vorlauf ist lang. Ein ausgebildeter Hörakustiker braucht drei Jahre Ausbildungszeit. Kurzfristige Lösungen gibt es kaum.
Qualifizierte Zuwanderung könnte eine Ergänzung sein. Deutschland hat dafür in den vergangenen Jahren rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse bleibt aber in vielen Fällen aufwendig und langwierig.
Auswirkungen auf den Mittelstand in Baden-Württemberg
Das Gesundheitshandwerk in Baden-Württemberg ist überwiegend mittelständisch geprägt. Viele Betriebe sind inhabergeführt, regional verwurzelt und beschäftigen wenige Mitarbeiter. Für sie ist jede unbesetzte Stelle spürbar. Ein einzelner fehlender Augenoptiker kann bedeuten, dass Termine ausfallen oder Öffnungszeiten reduziert werden müssen.
Große Filialisten wie Fielmann oder Apollo haben durch ihre Netzwerkstruktur mehr Spielraum. Sie können Personal zwischen Standorten umverteilen. Kleinbetriebe haben diese Flexibilität nicht. Sie stehen im direkten Wettbewerb um dieselben knappen Fachkräfte.
Gehalt und Arbeitsbedingungen als Wettbewerbsfaktor
Um qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten, müssen Betriebe konkurrenzfähige Konditionen bieten. Das betrifft nicht nur das Gehalt. Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten und moderne Ausstattung spielen ebenfalls eine Rolle. Wer hier nicht investiert, verliert im Wettbewerb um Fachkräfte.
Fazit
Der Fachkräftemangel im Gesundheitshandwerk ist kein vorübergehendes Phänomen. Die Zahlen aus der Kofa-Studie zeigen ein strukturelles Problem. Fast 4.400 unbesetzte Stellen im Jahr 2025 sind kein Signal einer schwachen Konjunktur, sondern eines tiefgreifenden Mismatches auf dem Arbeitsmarkt. Betriebe müssen bei der Ausbildung, bei den Arbeitsbedingungen und bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte handeln. Wer wartet, verliert Kunden und Marktanteile.
