Präzisionsdiagnostik auf höchstem Niveau
Das Universitätsklinikum Freiburg setzt einen wichtigen Meilenstein in der personalisierten Krebsdiagnostik. Am Institut für Klinische Pathologie kommt seit Kurzem ein innovatives Verfahren zum Einsatz, das es ermöglicht, Tumorgewebe noch präziser zu untersuchen. Die sogenannte Methylom-Analyse bietet entscheidende zusätzliche Informationen, um besonders seltene Weichgewebs-Tumoren besser zu erkennen, einzuordnen und so die passende Therapie zielgerichtet auszuwählen.
„Mit der Methylierungsanalyse erhalten wir eine Art molekularen Fingerabdruck des Tumors“, erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Werner, Ärztlicher Direktor des Instituts. „Diese Daten können uns dabei helfen, eine klare Diagnose zu stellen – auch bei Tumoren, die bisher schwer zu klassifizieren waren.“
Blick ins Erbmaterial der Tumorzellen
Während herkömmliche Untersuchungen meist nur Mutationen der DNA betrachten, geht die Methylom-Analyse einen Schritt weiter. Sie untersucht zusätzlich die Regulation der Gene, also ob diese aktiv oder stillgelegt sind. Entscheidend sind dabei die sogenannten Methylierungen – winzige chemische Markierungen auf der DNA, die wie Schalter funktionieren.
Verändert sich dieses Muster, kann das wertvolle Hinweise auf die Art und den Ursprung des Tumors geben. Genau diese Informationen sind für die Therapieplanung oft von zentraler Bedeutung.
Hightech-Diagnostik mit Methylom-Chips
Technisch basiert das Verfahren auf einem Methylom-Chip, einer speziellen Trägerplatte mit Hunderttausenden Messpunkten. Auf diese Platte wird die Tumor-DNA aufgebracht und anschließend hochauflösend analysiert. Mit Hilfe von Computeralgorithmen wird das individuelle Methylierungsmuster erstellt und mit internationalen Referenzdatenbanken abgeglichen.
„Wir sprechen hier von einer Form der Hochpräzisionsmedizin“, sagt Prof. Werner. „Der Vergleich mit tausenden Referenzmustern erlaubt uns, selbst sehr seltene Tumorarten zuverlässig zu erkennen.“
Vorteil für Patientinnen und Patienten
Gerade bei seltenen oder unklaren Tumoren ist die Diagnose oft eine Herausforderung. Bisher mussten Betroffene teilweise lange auf eine eindeutige Einordnung warten, was eine gezielte Therapie verzögerte. Die Methylom-Analyse verkürzt diesen Prozess erheblich und liefert ein höheres Maß an Sicherheit.
Das bedeutet: Patientinnen und Patienten können schneller eine individuell zugeschnittene Behandlung beginnen – ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg.
Weichenstellung für die Zukunft
Das Universitätsklinikum Freiburg gehört zu den wenigen Einrichtungen in Deutschland, die dieses Verfahren bereits im klinischen Alltag einsetzen. Perspektivisch könnte die Methylom-Analyse auch bei anderen Tumorarten, etwa bei Hirntumoren, eine wichtige Rolle spielen.
„Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, die die Pathologie nachhaltig verändern wird“, betont Prof. Werner. „Je mehr Daten wir sammeln, desto genauer können wir in Zukunft Krebs klassifizieren und Therapien personalisieren.“
Beitrag zur personalisierten Medizin
Mit der Einführung dieser Technologie stärkt das Universitätsklinikum Freiburg seine Rolle als Vorreiter in der Präzisionsmedizin. Die Methylom-Analyse fügt sich in eine Gesamtstrategie ein, die darauf abzielt, Diagnose- und Behandlungswege immer individueller, schneller und zielgerichteter zu gestalten.
So entsteht eine Win-Win-Situation: Mehr wissenschaftliche Erkenntnisse für die Forschung und bessere Heilungschancen für die Patientinnen und Patienten.
