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Machtwechsel beim Modekonzern Hugo Boss: Stephan Sturm tritt als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Er weicht dem Druck des britischen Großaktionärs Frasers Group. Deren Chef Michael Murray soll den Vorsitz des Kontrollgremiums übernehmen. Das teilte Frasers aus London mit.
Sturm räumt Posten spätestens Mitte Oktober
Stephan Sturm legt sein Amt spätestens Mitte Oktober nieder. Der 61-Jährige hatte den Aufsichtsrat des Metzinger Unternehmens zuletzt geleitet. Nun zieht er die Konsequenzen aus dem eskalierenden Streit mit dem Hauptaktionär. Die Frasers Group, mehrheitlich im Besitz des britischen Milliardärs Mike Ashley, steht kurz davor, die Mehrheit an Hugo Boss zu übernehmen.
Michael Murray sitzt bereits im Aufsichtsrat von Hugo Boss. Der CEO der Frasers Group rückte in das Gremium, bevor der aktuelle Konflikt seinen Höhepunkt erreichte. Nun soll Murray den Vorsitz übernehmen und damit die Kontrolle des britischen Unternehmens über den deutschen Modekonzern weiter festigen.
Frasers Group weitet Einfluss systematisch aus
Die Frasers Group ist vor allem durch die Einzelhandelskette Sports Direct bekannt. Das Unternehmen hat seinen Einfluss bei Hugo Boss in den vergangenen Monaten konsequent ausgebaut. Neben Murray soll nun auch Robert Palmer in den Aufsichtsrat einziehen. Das gab Frasers am Montag bekannt.
Mit zwei eigenen Vertretern im Kontrollgremium und einem nahenden Mehrheitsanteil verschiebt sich die Machtbalance bei Hugo Boss deutlich nach London. Der Modekonzern mit Sitz im baden-württembergischen Metzingen beschäftigt weltweit mehrere tausend Mitarbeiter und gilt als eines der bekanntesten deutschen Modeunternehmen.
Übernahme scheint nur noch Formsache
Die Londoner Times hatte Ende Juli berichtet, dass Murray künftig sogar den Vorstandsvorsitz bei Boss übernehmen könnte. Diese Möglichkeit ist damit noch nicht vom Tisch. Frasers hat signalisiert, die Kontrolle über das Unternehmen weiter stärken zu wollen.
Für den Standort Metzingen bedeutet der Machtwechsel Unsicherheit. Wie sich die britischen Eigentümer die Zukunft des Konzerns vorstellen, ist bislang nicht öffentlich kommuniziert worden. Der bisherige Kurs unter deutschen Aufsichtsräten ist vorerst beendet.
Ein Konzern unter neuem Einfluss
Mit dem Abgang von Stephan Sturm verliert Hugo Boss seinen Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Frasers Group hat ihre Strategie schrittweise umgesetzt: Beteiligung ausgebaut, Druck auf das Kontrollgremium erhöht und nun den Vorsitz übernommen. Ob die neue Führung den Kurs des Konzerns grundlegend ändert, ist offen.
