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Die Region Ulm zählt zu den wirtschaftsstärksten Gebieten in Baden-Württemberg. Ihre Wirtschaftsleistung ist vergleichbar mit der ganzer Staaten wie Island oder Zypern. Doch selbst diese starke Region kämpft mit einem hartnäckigen Problem: Zu viele Stellen bleiben unbesetzt, obwohl die Konjunktur zurzeit schwächelt.
Schwache Konjunktur, hoher Bedarf
Die Industrie- und Handelskammer schlägt Alarm. Die Konjunktur zeigt deutliche Schwächesignale. Trotzdem melden Unternehmen zahlreiche offene Stellen. Dieser Widerspruch hat einen Grund: Der strukturelle Fachkräftemangel ist von konjunkturellen Schwankungen weitgehend entkoppelt.
Unternehmen suchen qualifizierte Arbeitskräfte, die auf dem heimischen Markt schlicht nicht vorhanden sind. Die demografische Entwicklung verstärkt diesen Druck. Ältere Jahrgänge verlassen den Arbeitsmarkt, jüngere Generationen füllen diese Lücken nicht vollständig auf.
IHK fordert klare Rahmenbedingungen für Zuwanderung
Die IHK macht in ihrer Bewertung deutlich: Zuwanderung muss attraktiv bleiben. Deutschland und Baden-Württemberg stehen im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Andere Länder haben teils einfachere Verfahren und schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse.
Bürokratische Hürden bremsen den Zuzug. Lange Bearbeitungszeiten bei Visa-Anträgen und komplizierte Anerkennungsverfahren schrecken potenzielle Fachkräfte ab. Die IHK sieht hier dringenden Handlungsbedarf auf Landes- und Bundesebene.
Wirtschaft bewertet Landespolitik kritisch
Die Unternehmerverbände in Baden-Württemberg haben sich nach den ersten Monaten der neuen Landesregierung zu Wort gemeldet. Sie sehen Fortschritte, aber auch weiteren Handlungsbedarf. Konkrete Erleichterungen bei der Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten gehören zu den zentralen Forderungen.
Das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen in Baden-Württemberg stieg bereits 2024 auf 31.966 Euro, ein Zuwachs von 3,5 Prozent. Dieser Wohlstand macht das Land attraktiv, reicht aber allein nicht aus, um den Fachkräftebedarf zu decken.
Größte Arbeitgeber unter Druck
In der Region Ulm und Neu-Ulm sind große Unternehmen und öffentliche Einrichtungen die wichtigsten Arbeitgeber. Auch sie spüren den Mangel an qualifiziertem Personal. Besonders in technischen Berufen und im Gesundheitswesen bleibt die Lage angespannt.
Die Unternehmen reagieren unterschiedlich. Einige investieren in Ausbildung und Qualifizierung, andere suchen gezielt im Ausland. Ohne vereinfachte rechtliche Rahmenbedingungen bleibt die Rekrutierung im Ausland jedoch mühsam und teuer.
Konjunktur und Strukturproblem entkoppelt
Der Fachkräftemangel ist kein konjunkturelles Phänomen. Er verschwindet nicht, wenn die Wirtschaft wieder anzieht. Eine Belebung der Nachfrage könnte den Druck auf den Arbeitsmarkt sogar weiter erhöhen.
Aus der Industrie kommen gemischte Signale. Die Auftragseingänge sind in einigen Segmenten stabil, die zugrunde liegende Nachfrage ist vorhanden. Doch fehlende Arbeitskräfte begrenzen die Produktionskapazitäten.
Fazit
Die Region Ulm steht vor einer doppelten Herausforderung. Schwache Konjunktur belastet die Betriebe kurzfristig, der Fachkräftemangel bedroht die Wettbewerbsfähigkeit langfristig. Die IHK fordert: Zuwanderung muss attraktiv sein. Politik und Verwaltung müssen Verfahren beschleunigen und Bürokratie abbauen. Sonst verschärft sich das Problem weiter, unabhängig davon, wie sich die Konjunktur entwickelt.
