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Jedes vierte Unternehmen in Deutschland findet keine geeigneten Fachkräfte. Das zeigen aktuelle Daten des Ifo-Instituts vom Juli 2026. Der Wert stieg auf 23,2 Prozent, nach 21,1 Prozent im April.
Anstieg trotz schwacher Konjunktur
Der langfristige Durchschnitt liegt bei 31,7 Prozent. Der aktuelle Wert liegt also noch darunter. Die schwache Wirtschaftslage dämpft den Bedarf an Fachpersonal. Sobald die Konjunktur anzieht, dürfte der Mangel wieder deutlich spürbarer werden. Das Ifo-Institut warnt ausdrücklich vor dieser Entwicklung.
Für Unternehmen in Baden-Württemberg ist das keine abstrakte Prognose. Der Südwesten gilt als einer der wirtschaftsintensivsten Standorte Deutschlands. Industrie, Maschinenbau und IT-Sektor sind dort stark vertreten. Genau diese Branchen gehören zu den besonders betroffenen Sektoren.
Starke Unterschiede zwischen den Branchen
Handel mit geringster Betroffenheit
Der Einzelhandel steht vergleichsweise gut da. Nur 16,2 Prozent der Handelsunternehmen berichten von fehlendem Fachpersonal. Das ist deutlich weniger als im gesamtwirtschaftlichen Schnitt. Die anhaltend schwache Kauflaune der Verbraucher dämpft dort den Personalbedarf.
Steuerberatung und Telekommunikation unter Druck
Anders sieht es in der Steuerberatung und der Telekommunikationsbranche aus. Dort verzeichnen Unternehmen starke Zuwächse beim Fachkräftemangel. Qualifizierte Steuerberater, IT-Spezialisten und Netzwerktechniker sind rar. Der Wettbewerb um diese Profile ist bundesweit intensiv.
Auch Pflege und Gastronomie gehören zu den klassisch betroffenen Bereichen. Dort ist der Personalmangel seit Jahren strukturell tief verankert. Kurzfristige Konjunkturschwankungen ändern daran wenig.
Was das für Baden-Württemberg bedeutet
Die IHK Baden-Württemberg beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Der Standort lebt von seiner industriellen Stärke und seinem Mittelstand. Beide sind auf qualifiziertes Personal angewiesen. Fehlende Fachkräfte bremsen Investitionen und Wachstum.
Betriebe reagieren mit unterschiedlichen Strategien. Manche setzen auf Weiterbildung der bestehenden Belegschaft, andere suchen gezielt im Ausland nach Fachkräften. Wieder andere investieren in Automatisierung, um den Personalbedarf zu senken. Alle drei Wege kosten Zeit und Geld.
Die Digitalisierung bietet Potenzial, ersetzt aber keine Spezialisten. Im Gegenteil: Digitale Transformation schafft neue Berufsbilder, für die es zu wenig ausgebildete Kräfte gibt. Das gilt besonders für KI-Anwendungen, Cybersicherheit und Datenanalyse.
Strukturelles Problem ohne schnelle Lösung
Der demografische Wandel verstärkt den Druck. Geburtenstarke Jahrgänge gehen in den kommenden Jahren in Rente, weniger junge Menschen rücken nach. Dieser Trend lässt sich kurzfristig nicht umkehren.
Zuwanderung kann einen Teil des Bedarfs decken. Doch die Integration von Fachkräften aus dem Ausland dauert. Sprachbarrieren, Anerkennungsverfahren und Wohnkosten bremsen den Zuzug. Baden-Württemberg gilt zwar als attraktiver Arbeitsstandort, aber auch als teures Pflaster.
Fazit
Der Fachkräftemangel ist kein vorübergehendes Phänomen. Er bleibt ein strukturelles Dauerproblem für die deutsche Wirtschaft, auch in Baden-Württemberg. Der aktuelle Anstieg auf 23,2 Prozent ist ein klares Signal. Sobald die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt, dürfte sich die Lage für viele Betriebe weiter verschärfen.
